60 Jahre FILM-DIENST

Es werde Licht! Die archetypische Urszene des Kinos hat der schwedische Regisseur Ingmar Bergman in seinem Meisterwerk „Persona“ (1966) exemplarisch an den Anfang gestellt: Zwei glühende Kohlestäbe, die Funken schlagen, bis das Licht explodiert.

Mit der Magie des Films, mit seiner nachhaltigen Wirkung hat auch die Geschichte des FILM-DIENST zu tun. Die aktuelle Themenheft-Ausgabe (fd 23/07) zum 60. Geburtstag des FILM-DIENST im Oktober erinnert mit dem Schwerpunkt „LICHT!“ nicht nur an den Urstoff, aus dem die Kinoträume geformt werden; sie würdigt auch das 60-jährige Bestehen der Zeitschrift.

Die Geschichte des FILM-DIENST kann mit Blick auf die Licht-Metaphorik durchaus als Projekt der Aufklärung beschrieben werden. Als kleines Blatt im DIN-A-5-Format erblickte er als „Filmdienst der Jugend“ im Oktober 1947 das Licht der Welt, als Projekt engagierter Laien aus der katholischen Jugendarbeit. Erfahrungen mit den Propagandafilmen der Nazis bildeten den Hintergrund für einen Ansatz, den man heute als Vermittlung von Medienkompetenz beschreiben würde. Im Vorwort der ersten Ausgabe definierte Klaus Brüne das Programm der Zeitschrift als „eine systematische Erziehung im kritischen Sehen, kritischem Hören und kritischem Denken“.

Von Anfang an wollte der FILM-DIENST seine Leser „sehend“ machen, künstlerische Techniken und Stile beleuchten, Bezüge und Hintergründe thematisieren, erwartete und unerwünschte Wirkungen erhellen. 1949 wurde der FILM-DIENST zum offiziellen Organ der Katholischen Filmkommission. Mit einem System aus Wertungsnoten von 1 bis 4 geriet die Zeitschrift, die sich fortan an alle Filminteressierten richtete, in die Diskussion. Das mitunter bis in die Gegenwart kolportierte Verdikt, der FILM-DIENST sei ein kirchliches „Zensurinstrument“ zur Abwehr unliebsamer Filme gewesen, wird durch die faktische Arbeit jener Jahre widerlegt: die Zahl der Filmempfehlungen – Filme mit dem Prädikat „Sehenswert“, Monatsbesten- und Jahresbestenlisten – übersteigt die Zahl der inkriminierten „Skandalfilme“ bei weitem.

In den 1960er-Jahren vollzog sich eine grundlegende Professionalisierung und Neuorientierung der kirchlichen Filmkritik. In der Auseinandersetzung um Werke wie Ingmar Bergmans „Das Schweigen“ (1963) oder Pier Paolo Pasolinis „Teorema“ (1968) setzte sich eine Haltung durch, die dem künstlichen Anspruch, aber auch der provokativen Thematisierung religiös relevanter Themen hohen Wert zuerkannte. Das Ziel, der Orientierung zu dienen und kein Instrument der Bevormundung zu sein, wurde zum offensiven Programm der Zeitschrift. Die Wertungsnoten entfielen.


In den folgenden Jahrzehnten erweiterte der FILM-DIENST sein
Aufgabenspektrum beständig. Neben den Kinofilmen begann er frühzeitig, auch Filme im Fernsehen zu erfassen, später auch Filmpremieren auf Video und DVD. Einen Quantensprung vollzog der FILM-DIENST 1990, als die Zeitschrift auf das heutige Magazinformat umgestellt wurde. Ein „Nebenprodukt“ dieser systematischen Reflexion des Filmangebots ist das „Lexikon des Internationalen Films“, das 2002 in einer überarbeiteten Neuauflage im Verlag Zweitausendeins erschien und in Jahresbänden im Schüren Verlag, Marburg, publiziert wird, sowie die dem Filmlexikon zugrunde liegende Filmdatenbank im Internet, cinomat.de

Der FILM-DIENST ist heute nicht nur das unumstrittene Flaggschiff der katholischen Filmarbeit, sondern eine anerkannte Größe der Filmkultur. Keine Einrichtung in Deutschland hat sich so umfassend mit der gesamten Breite des Filmangebots seit 1945 beschäftigt. Dies ist ein Bekenntnis zum Reichtum und zur Vielfalt des Kinos, die dem Leser erschlossen werden sollen: mit aktuellen Kritiken zu der Gesamtbreite des Angebots, wobei nicht nur die Großproduktionen vorstellt werden, sondern auch die kleinen Produktionen Beachtung finden, der außergewöhnlichen Erstlingsfilm, der anspruchsvolle Dokumentarfilm, der interessante Kinder- und Jugendfilm. Dazu kommen die Beiträge zu ästhetischen, politischen und historischen Themen, die zur Auseinandersetzung anregen.

Mit diesem ungeschmälerten Anspruch startet der FILM-DIENST in ein neues Jahrzehnt, in dem er sich für die Stärkung der anspruchsvollen Film- und Kinokultur auch im Zeitalter des digitalen Kinos einsetzt.
Das Themenheft „LICHT!“ aus Anlass des 60. Geburtstags
des FILM-DIENST erscheint am 25. Oktober 2007.

 

 

Redaktion FILM-DIENST
Verlag Deutsche Zeitung GmbH
Heinrich-Brüning-Straße 9
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Tel. 0228-884-527
Der FILM-DIENST im Internet:
www.film-dienst.de


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