Kinogesichter ... Anspruch auf Filmplakaten
Filmplakatgraphik vom 5. Februar bis 11. März 2007 in der Katholischen Akademie Schwerte

Filmplakate sind zunächst kurzlebige Hilfsmittel zur Steigerung des Umsatzes an der Kinokasse. Sie gibt es nicht ihrer selbst wegen. Bei künstlerisch gelungenen Filmen möchten die Verleiher jedoch die Qualität ihrer Filme durch Filmplakate entsprechend wiedergeben. Dann wandelt sich triviale Wegwerfware zu bleibender eigenständiger Druckgraphik!
Fünfzig Beispiele solcher Qualitätssprünge sind vom 05. Februar bis 11. März 2007 in der Katholischen Akademie Schwerte unter dem Titel "Kinogesichter … Anspruch auf Filmplakaten" zu sehen.
Zusammengestellt wurde die Ausstellung von dem Mitglied der Katholischen Filmkommission für Deutschland Dr. Reinhold Jacobi, einem früheren Direktor der Akademie, die auch Mitveranstalterin der Ausstellung ist.

In der Einladung zu der Ausstellung schreibt Jacobi:
Der Kino-Film gilt mit Recht als die modernste und gleichzeitig volkstümliche Form des Erzählens. In persönlicher Begegnung und später mittels des Buches stand im Mittelpunkt des Interesses immer schon das Berichten von anderen Menschen. Die Neugier darauf galt und gilt letztlich dem Interesse am Gedeihen der eigenen Person. Wie geht es den anderen, und wie geht es mir, wenn ich Vergleiche anstelle?

Auf diese Neugier hat das Kino von Anfang an spekuliert. Alle Mittel, auf diese reizvolle Möglichkeit aufmerksam zu machen, wurden herangezogen. Dazu gehörte auch und vor allem das Plakat. Kaum ein anderes "Produkt" gibt es, das so verlässlich am Plakat als Werbe-Mittel festgehalten hat, wie das Kino.

In allen klassischen Kino-Nationen wie zum Beispiel Frankreich, USA, Italien oder Deutschland wirbt die Branche mit weithin standardisierten Plakat-Formaten für den Kino-Film. Diese formale Beschränkung führte häufig zur geradezu grenzenlosen Verwendung von Klischees bei der Plakatgestaltung. Das ist eben die Norm: Ein populäres Produkt soll möglichst augenfällig und schnörkellos-direkt bekannt gemacht werden und schnellstens zum Erfolg - sprich: dem Erwerb einer Kino-Karte - geführt werden.

Interessant ist, dass die Normalität trivialer Bildgestaltung im Kino-Plakat bei bestimmten Filmen oder Verleihfirmen verlassen wird. Dann stellt sich gestalterischer Ehrgeiz ein. Natürlich soll in jedem Fall geworben werden. Und das Plakat ist "nur" Hilfsmittel dazu. Aber da es sich um einen ganz besonderen Film handelt, soll dies in der Werbung schon zum Ausdruck kommen.

Was läge näher, als sich dabei auf Gesichter zu konzentrieren und diese ins gewerbliche Licht zu rücken. Menschen und ihre Gesichter gewissermaßen als ihre Fenster sind eben des Kinos wichtigstes "Lebensmittel". Nicht anders erklärt sich die immer virulente Neigung des Publikums, in Film-schauspielerinnen und schauspielern Stars zu sehen, von denen man träumt, die man "anhimmelt", von denen man schwärmt.

Die vergleichsweise kleine Auswahl von neueren Film-Plakaten, die in dieser Ausstellung präsentiert wird, konzentriert sich auf Kinogesichter. So er-reicht manches der hier ausgesuchten Plakate einen unerwartet eigenarti-gen Rang und Eigenwert, der es mit den graphischen Künsten durchaus vergleichbar macht und es loslöst von seinem ursprünglichen Zweck, für etwas ganz anderes zu werben.

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