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"The Da Vinci Code Sakrileg"
Hintergrundinformationen zum Kinofilm von Ron Howard
1. "Sakrileg" Roman und Film:
Am 18. Mai 2006 startet in Deutschland der Film "The Da Vinci
Code Sakrileg", die Verfilmung des Thrillers von Dan
Brown (englischer Titel: "The Da Vinci Code", 2003, dt.
"Sakrileg", 2004). Am Tag zuvor, am 17. Mai 2006, läuft
er als Eröffnungsfilm beim Internationalen Filmfestival in
Cannes. Der Roman ist in 44 Sprachen übersetzt und millionenfach
verkauft worden: die deutsche Auflage liegt bei vier Millionen Exemplaren,
die weltweite Auflage bei über 40 Millionen. Zu den früheren
Romanen Dan Browns gehören "Digital Fortress", 1998
(deutsch: "Diabolus", 2005), "Angels and Demons",
2000 (dt. "Illuminati", 2003) und "Deception Point",
2001 (deutsch: "Meteor", 2003)
Regie führt der Schauspieler, Regisseur und Produzent Ron Howard
(geb. 1954), der eine Reihe von erfolgreichen Filmen realisiert
hat wie z.B. "A Beautiful Mind" (2001), "Der Grinch"
(2000), "Apollo 13" (1994) oder "Backdraft
Männer, die durchs Feuer gehen" (1991). Howards Filme
gehen quer durch alle Genres von der Science-Fiction-Komödie
über den Actionfilm bis zum ernsthaften Drama. Der Regisseur
gilt als solider Handwerker, ohne dass er eine ausgeprägte
eigene Handschrift hat. "The Da Vinci Code Sakrileg"
ist mit einer Reihe von prominenten Stars besetzt. In den Hauptrollen
sind Tom Hanks ("Forrest Gump", "Der Soldat James
Ryan", "Castaway" u.a.), Audrey Tautou ("Die
fabelhafte Welt der Amélie"), Jean Reno ("Leon
Der Profi") und Ian McKellen ("Der Herr der Ringe")
zu sehen.
2. Inhalt:
Die Hauptfigur der Geschichte ist Dr. Robert Langdon (Tom Hanks),
Dozent für religiöse Symbolologie an der Harvard-Universität.
Er wird während eines Aufenthalts in Paris in einem merkwürdigen
Kriminalfall hineingezogen. Der Kurator des Louvre, Jacques Saunière,
wird mitten in der Nacht im Museum ermordet. Bevor er starb hat
er jedoch eine verschlüsselte Botschaft für seine Enkelin
Sophie Neveu (Audrey Tautou) hinterlassen hat, die als Kryptologin
bei der Pariser Polizei in den Fall hineingezogen wird. Es stellt
sich heraus, dass Sophies Großvater der Großmeister
der Bruderschaft Prieuré de Sion war, der in der Vergangenheit
Berühmtheiten wie Leonardo da Vinci, Victor Hugo und Isaac
Newton angehörten. Robert und Sophie stoßen immer auf
neue Rätsel, die zu entschlüsseln sind. Dabei geht es
um verschlüsselte Reime, verborgene Hinweise in den Werken
Leonardo da Vincis oder um einem Kryptex, einem Steinzylinder, der
ähnlich wie ein Zahlenschloss funktioniert. Da Langdon selbst
unter Mordverdacht gerät, muss er mit Sophie vor der Polizei
fliehen. Bei kommen einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur:
Maria Magdalena soll die Lebensgefährtin Jesu gewesen und habe
mit ihm auch Nachkommen gehabt haben. Diese Wahrheit, die in gnostischen
Evangelien enthalten ist und über Jahrhunderte nur verschlüsselt
tradiert worden sein soll (u.a. in Leonardo Da Vincis berühmten
"Abendmahl"), wurde dem Anschein nach von der Kirche systematisch
unterdrückt. Dabei spielt das Opus Dei eine wesentliche Rolle,
das als eine Geheimorganisation dargestellt wird, die auch vor Mord
nicht zurückschreckt, um das Geheimnis zu bewahren.
3. Genreeinordnung
Roman wie Film sind als religiöser Thriller einzuordnen. Das
Genre des Thrillers ob als Roman oder als Film setzt
auf die Erzeugung einer Spannung, die sich aus einer extremen Bedrohung
ergibt. Klassische Thriller sind beispielsweise die Filme von Alfred
Hitchcock, in der die Hauptfiguren in oft ausweglos scheinende Situationen
getrieben werden, in denen sie vom Tod bedroht sind.
Der religiöse Thriller steht dem speziellen Untergenre des
Politthrillers bzw. des Agententhrillers nahe. Hier geht es in der
Regel eine Verschwörung, die von politisch Verantwortlichen,
von Geheimdiensten oder im Untergrund arbeitenden Organisationen
betrieben wird und weit reichende politische Konsequenzen beinhaltet.
Die weitgehende Anbindung an real existierende staatliche Institutionen
und Strukturen sowie an konkrete historische Personen und Ereignisse
spielt dabei eine konstitutive Rolle. Dabei kann das Verhältnis
zwischen fiktiven und realitätshaltigen Elementen sehr unterschiedlich
sein. In den Spionagefilmen um den Superagenten James Bond sind
die politischen Konstellationen (beispielsweise des Kalten Krieges)
ein wesentlicher Bezugsrahmen, dienen aber nur einer oberflächlichen
Grundierung der eigentlichen Handlung, die ins Phantastische geht.
Die Spionageromane eines John le Carré und deren Verfilmungen
dagegen sind beispielsweise genauestens recherchiert, sie beziehen
sich auch auf konkrete Lokalitäten und konkrete historische
Ereignisse und Organisationen, dennoch sind auch hier die Handlungen
rein fiktional.
In "The Da Vinci Code Sakrileg" geht es darum,
dass die Protagonisten einer Verschwörung auf die Spur kommen,
die die Kirchengeschichte völlig umdeuten könnte. Im Bereich
des politischen Thrillers könnte man zum Vergleich einen Film
wie "JFK" (USA 1991) von Oliver Stone heranziehen, der
Spekulationen um die Hintergründe der Ermordung von John F.
Kennedy anstellt. In "The Da Vinci Code Sakrileg"
stützt der Autor seine zentrale These, Maria Magdalena sei
die Geliebte von Jesus gewesen und habe mit ihm auch Nachkommen
gehabt vor allen Dingen auf gnostische Texte wie das Philippus-Evangelium
und Legenden und Mythen, die sich um Maria Magdalena und allgemein
um den Heiligen Gral ranken.
Das grundlegende Handlungsgerüst findet sich auch in anderen
Filmen. Besonders enge Bezüge gibt es beispielsweise zu Filmen
wie "Stigmata" und "The Body", die auf der gleichen
Prämisse aufbauen, dass eine Entdeckung die Kirche zu Fall
bringen könnte. In "Stigmata" (USA 1999, Regie: Rupert
Wainwright) untersucht ein Abgesandter des Vatikans den Fall einer
jungen Friseuse, die die Wundmale Christi aufweist, und entdeckt
ein Komplott des Vatikans, der mit aller Gewalt die Veröffentlichung
eines neuen Evangeliums zu verhindern versucht, das angeblich die
wahren Worte Christi enthält. "The Body" (Das geheimnisvolle
Grab, Israel/USA, 2001, Regie: Jonas McCord) spielt mit dem Motiv,
dass bei Ausgrabungen in Jerusalem ein Grab entdeckt wird, in dem
die Gebeine eines Mannes liegen, der offenbar Christus ist, was
die zentrale christliche Glaubensbotschaft der Auferstehung von
den Toten in Frage stellen würde. In beiden Filmen wird die
Kirche stark kritisiert. In "Stigmata" ist es der Präfekt
der Päpstlichen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse,
der mit aller Gewalt die Veröffentlichung des angeblich unterdrückten
wahren Evangeliums verhindern will. Dabei handelt es sich um das
so genannte Thomas-Evangelium aus den Nag Hammadi Funden ist, das
alles andere als geheim ist. Wie das Philippus-Evangelium, das eine
wesentliche Quelle für Dan Browns Hypothese der Verbindung
zwischen Jesus und Maria Magdalena ist, ist auch das Thomas-Evangelium
im Internet und in Publikationen problemlos greifbar. In "The
Body" wird die Entdeckung des vermeintlichen Grabes Christi
mit politischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern
verknüpft. Während der Film fast über die gesamt
Strecke immer mehr Indizien anhäuft, dass es sich bei dem Toten
im Grab um Christus handeln muss, enthüllt er am Ende in einer
überraschenden Wendung, dass es doch eine andere Person war.
Was jedoch bleibt, ist die massive Kritik an der Kirche. Der für
die Aufklärung des Falles engagierte Pater Gutierrez klagt
am Ende den Vatikan an, er würde über Leichen gehen, um
die Enthüllung eines Geheimnisses zu verhindern.
Mitunter werden in Filmen auch biblische Texte erfunden. Der Horrorthriller
"Gods Army" (Kanada 1994, Regie: Gregory Widen)
erzählt die Geschichte eines gnadelosen Kampfes der Engel und
stützt sich dabei wesentlich auf die angebliche Entdeckung
eines 23. Kapitels der Geheimen Offenbarung des Johannes. Dieses
Motiv der Entdeckung eines geheimen Dokuments gehört zum Standardrepertoire
des okkulten Thrillers.
Das in "The Da Vinci Code Sakrileg" zentrale Motiv
einer Liebesbeziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena ist nicht
nur in der Literatur, sondern auch in Filmen schon mehrfach aufgegriffen
worden. Bekannteste Beispiele sind "Jesus Christ Superstar"
(USA 1973, Regie: Norman Jewison), das Rockmusical, in dem Maria
Magdalena als enge Gefährtin dargestellt wird und vor allem
"Die letzte Versuchung Christi" (USA 1989, Regie: Martin
Scorsese). In dem Film, der sich auf den Roman von Nikos Kazantzakis
stützt, wird in einer Vision, die der Teufel dem sterbenden
Christus vorgaukelt, eine Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena
dargestellt, aus der auch Kinder hervorgehen. Damals gab es vehemente
Proteste von evangelikalen Gruppen, obwohl die Beziehung nicht als
Realitätsbehauptung, sondern nur im Rahmen einer Vision vorkam.
Die Rolle, die das Opus Dei im Rahmen der Geschichte einnimmt,
ist die des im Geheimen agierenden Gegenspielers des Helden. In
anderen Thrillern gibt es Organisationen mit vergleichbarer Funktion
wie die Mafia im italienischen Politthriller, die Yakuza in Thrillern,
die in Japan spielen oder fiktiven Nazi-Organisationen oder sonstigen
Geheimbünden in zahlreichen anderen Filmen. Das ausführende
Organ des Opus Dei ist im Film der Albino Silas, der alles andere
als eine realistisch gezeichnete Figur ist, sondern dem im Trivialgenre
vorkommenden Typus des Handlangers des Bösen entspricht, wie
man sie aus diversen Edgar-Wallace- oder James-Bond-Filmen kennt.
Roman und Film beziehen ihren Reiz aus der geschickt entwickelten
Spannung und der interessanten Struktur eines Rätselspiels.
Mehrere Spannungsmomente sind dabei ineinander verschränkt.
Der Held muss nicht nur ein Geheimnis entschlüsseln, sondern
ist gleichzeitig auf der Flucht vor der Polizei, weil er des Mordes
verdächtigt wird. Es gibt einen Wettstreit der beteiligten
Personen: die einen wollen das Geheimnis entschlüsseln, die
anderen wollen ihnen zuvorkommen, um die Enthüllung zu verhindern
oder um selbst in den Besitz der geheimen Information zu kommen.
Das Rätselspiel funktioniert deshalb gut, weil es so angelegt
ist, dass der Zuschauer es nachvollziehen kann. Ein allgemein bekanntes
Gemälde wie "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci
wird umgedeutet, so dass der Zuschauer angeregt wird, selbst die
Deutung zu überprüfen.
Der Erfolg des Romans und der prognostizierbare Erfolg des Films
beruhen auf einer geschickten Mischung aus verschiedenen Elementen,
von denen jedes für sich genommen nicht einmal neu ist, aber
in der Kombination mit anderen die Gesamtwirkung steigert:
- ein interessantes Personal, das Wissenschaftler, Polizei, Kirchenvertreter
und eine "Geheimorganisation" einschließt,
- ein mysteriöser Mordfall, der aufgeklärt werden muss,
- eine Verfolgungsjagd auf einer touristisch interessanten Route,
- ein Rätselspiel mit Zahlen-, Wort- und Bilderrätseln,
zu deren Entschlüsselung bekannte Gemälde und Bauwerke
herangezogen werden,
- die Verknüpfung von Religion, Mythos und Esoterik, das
von gnostischen Evangelien über Legenden des Heiligen Grals
bis zu Fakten der Kirchengeschichte reicht.
"The Da Vinci Code - Sakrileg" bedient so die unterschiedlichsten
Rezipienten. Wie zahllose andere Thriller leben Roman und Film von
einer gekonnten Mischung aus fiktionalen und realitätshaltigen
Elementen. Die letztlich rein spekulative Hypothese der Beziehung
zwischen Jesus und Maria Magdalena wird durch verschiedene Strategien
der Beglaubigung interessant gemacht. Dazu gehört die Verankerung
in bekannten Schauplätzen und Kunstwerken ebenso wie die einfache
Tatsache, dass die Hauptfigur als Wissenschaftler charakterisiert
wird, was den Anschein der Glaubwürdigkeit erhöht. Auf
der anderen Seite gibt es deutliche Signale, die darauf verweisen,
dass das Ganze nicht zu ernst gemeint ist. Figuren wie der Albino
Silas oder der Gralsforscher im Rollstuhl sind erkennbar unrealistische
Figuren der Kolportage und die Anhäufung von Rätseln betont
den spielerischen Charakter. Es handelt sich um spannende Unterhaltung,
die sich aus der effektvollen Umsetzung der Geschichte ergibt, weniger
aus der vermeintlichen sensationellen Enthüllung, die verkündet
wird. So wenig wie es Polit- und Agententhriller gelungen ist, die
Geschichtsschreibung zu korrigieren, so wenig kann man erwarten,
dass dieser Film die Kirchengeschichte umschreiben wird.
Dr. Peter Hasenberg
Weitere Hintergrundinformationen unter http://dbk.de/stichwoerter/menu.html#sakrileg
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