Kinotipp der katholischen Filmkritik 190/Mai 2009

Simons Geheimnis

Kanada 2008
Regie:Atom Egoyan
Länge: 100 Min.
Verleih :X Verleih

Der Teenager Simon gibt in der Schule sowie in einem Online-Chatroom eine ungeheuerliche Geschichte preis: Sein muslimischer Vater habe einst einen Terroranschlag auf ein Flugzeug geplant, bei dem er Simons damals schwangere Mutter ohne ihr Wissen als lebende Bombe habe benutzen wollen. Die Eröffnung des „Geheimnisses“ schlägt große Wellen und führt zu Diskussionen um die ethische Bewertung des vereitelten Terrorakts und um seine Verarbeitung. Zugleich müssen sich Simon und eine Reihe von Menschen aus seinem Umfeld mit ihrer Perspektive auf die Familien-Vergangenheit sowie dem eigenen Wertesystem auseinander setzen. Im Spiel mit verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen entwickelt der armenisch-stämmige Regisseur Atom Egoyan eine vielschichtige Auseinandersetzung mit menschlichen (Selbst-)Bildern im Rahmen aktueller Problemstellungen, wobei nicht zuletzt der Umgang mit dem Terrorismus sowie die Kommunikations- und Selbstdarstellungspraktiken des „WorldWideWeb“ fokussiert werden. Dass der Film im Original „Adoration“ (d.h. Verehrung, Anbetung) heißt, umreißt ebenso wie die Verwendung religiöser Bildmotive, dass es auch um den Glauben (im religiösen Sinne wie, allgemeiner, im Sinn von Überzeugungen) geht – und um die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Auseinandersetzung damit, um nicht in Vorurteilen und verzerrten Wahrnehmungen haften zu bleiben. Die Komplexität und der Beziehungsreichtum des kunstvoll strukturierten Films, der dank seiner visuellen und musikalischen Qualitäten nie zum Thesenkino gerinnt, stellen eine lohnenswerte Herausforderung an den Zuschauer dar.