Elegant balanciert der fantastisch-fantasiereiche Abenteuerfilm „The Fall“ an den Grenzen von klassischem Erzählkino und Videokunst, um berührend und visuell betörend zugleich der ambivalenten Kraft der menschlichen Fantasie nachzuspüren. Die Geschichte führt ins Hollywood der 1920er-Jahre: Bei Aufnahmen für einen Western verunglückt ein Stuntman, was der Film in faszinierenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen während des Vorspanns zeigt. Anschließend erzählt der zwischen tiefer Verzweiflung und vager Hoffnung schwankende Mann dem neunjährigen Mädchen Alexandria im Krankenhaus höchst farbenprächtig gezeichnete Geschichten, die fünf Superhelden an wesentliche Orte und Momente der Menschheitsentwicklung führen.
„The Fall“ von Tarsem Singh ist ein cineastischer Rausch, der sowohl jugendliche als auch erwachsene Zuschauer den Atem anhalten lässt. Ob die Wüste Gobi, die „blaue Stadt“ in Indien, die chinesische Mauer, die ägyptischen Pyramiden oder die Tempel des alten Griechenlands – an 28 herausragenden Orten dieser Erde wurden dafür Szenen gedreht und grandiose Landschaftsaufnahmen zu einem gigantischen Gemälde verdichtet, das die Gefühle des Erzählers und seiner Zuhörerin genauso erfasst wie jene der Zuschauer. Dabei lassen sich aus den Möglichkeitswelten, wie einst für Scheherazade, ebenso Heilmit‧tel, Handlungsalternativen und neue Hoffnungen schöpfen, die am Ende auch jenen Hauch einer „Krankheit zum Tode“ verdrängen, der sich als der zentrale existenzielle Konflikt des mitreißenden Films offenbart. |