Kinotipp der katholischen Filmkritik 182/Juli 2008
Happy-Go-Lucky

GB 2008
Regie: Mike Leigh
Länge: 119 Min.
Verleih: Tobis

Mike Leigh begleitet den Alltag der alleinstehen den, etwa 30-jährigen Grundschullehrerin Poppy, die sich in London eine Wohnung mit einer Freundin teilt. Schrill-auffällig gekleidet und mit manchmal nervenaufreibender Gutgelauntheit navigiert sie durch ihr Leben mit seinen beruflichen wie privaten Anforderungen, Freuden, Sorgen und mannigfaltigen Begegnungen. Die Menschen, auf die Poppy trifft, reagieren ganz unterschiedlich auf ihre Fröhlichkeit; vor allem in einem misanthropischen, pedantischen Fahrlehrer findet sie einen starken Widerpart, dessen Übellaunigkeit in Kombination mit Poppys unbeschwerter Exaltiertheit ein explosives Gefühlsgemisch ergibt.
 
Einmal mehr erkundet Mike Leigh das unspektakuläre Leben einfacher Menschen in der britischen Hauptstadt. Er fängt Poppys Alltag mit feinem Gespür für Details und einem Humor ein, der neben Situationskomik Platz lässt für ernsthafte Reflexionen (etwa wenn Poppy mit einem gewalttätigen Kind konfrontiert wird oder ihre verheiratete Schwester ihr Vorwürfe wegen ihres „unverantwortlichen“ Lebensstils macht). Dank der Hauptdarstellerin Sally Hawkins kann Poppys Heiterkeit nie mit Oberflächlichkeit oder gar Naivität verwechselt werden, sondern erscheint stets als couragierte Haltung, mit der eine junge Frau in einer von diversen Krisen bedrohten Zeit ihr Leben meistert und zugleich auf andere positiv einzuwirken versucht. Dass sie es schafft, das sonnige Gemüt der Figur unaufdringlich mit dem Wissen um die Härten des Lebens zu unterfüttern, gibt dem Film jene Ambivalenz, die eine gute Komödie ausmacht.