Kinotipp der katholischen Filmkritik 177/Dezember 2007

Der Fuchs und das Mädchen

Frankreich 2007
Regie:Luc Jacquet
Länge: 92 Min.
Verleih:Kinowelt

Auf einem seiner ausgedehnten Spaziergänge durch ein riesiges Waldgebiet dicht am Haus der Eltern entdeckt ein elfjähriges Mädchen eine Füchsin auf der Pirsch. Das ebenso überraschende wie abrupt endende Treffen entfacht in der naturverbundenen Einzelgängerin eine tiefe, ihr unerklärliche Hingezogenheit zu dem Tier. Über Monate hinweg und in schier endlosen Stunden der Einsamkeit entwickelt das Mädchen außerordentliche Beharrlichkeit und sucht die Nähe des scheuen Waldbewohners. Tatsächlich entsteht schließlich eine intensive Freundschaft zu dem Tier und dessen Nachkommenschaft.
Luc Jacquet, der mit seinem Film „Die Reise der Pinguine“ versuchte, realistische Naturbeobachtungen in eine „menschliche Dramaturgie“ zu zwingen, verfolgt mit dem Spielfilm „Der Fuchs und das Mädchen“ genau den entgegengesetzten Ansatz: In seiner märchenhaften Geschichte um die Seelenverwandtschaft zweier konträrer Wesen schafft der Regisseur ein Bewusstsein für eine eigenständige, selbstbestimmte Natur, die zwar die Nähe des Menschen duldet, aber unter jeglicher Vereinnahmung leidet. Exemplarisch führt der Film diese Maxime an den Naturerfahrungen sowie am mitunter schmerzlichen Lernprozess des Mädchens vor, dessen ausdrucksstarkes Gesicht dabei Charisma und viel Sympathie ausstrahlt. Zugleich entführt der Film in eine magische Welt des Unterholzes und der verborgenen Weiten einer Welt weitab menschlicher Kulturlandschaften und erzählt in visuell überwältigenden, nie aber kitschigen Bildern eine außergewöhnliche Generationengeschichte. Was Kinder und Erwachsene über Natur und Tiere, über Freiheit und Grenzerfahrungen lernen können und was sie dabei an Werten vermittelt bekommen, ist in dem außergewöhnlichen Natur-, Tier- und Kinderfilm eindrucksvoll gebündelt.