Kinotipp der katholischen Filmkritik 176/Dezember 2007

An ihrer Seite

Kanada 2006
Regie:Sarah Polley
Länge: 110 Min.
Verleih:Majestics

Fiona und Grant führen seit 45 Jahren eine glückliche Ehe, als Fiona an Alzheimer erkrankt und Stück für Stück ihre Erinnerung verliert. Zunächst versuchen beide, die Tragödie mit Humor zu tragen und das gewohnte Leben fortzuführen, doch schließlich ist Grant mit der Aufgabe, seine Frau zu behüten, überfordert. Fiona wird in ein Pflegeheim eingeliefert. Um ihr dort das Einleben zu erleichtern, darf ihr Mann sie einen Monat nicht besuchen – als diese Zeit schließlich vorbei ist, hat Fiona Grant vergessen und sich in einen anderen Heiminsassen verliebt.

Sensibel und gefühlvoll, aber ohne Sentimentalität dokumentiert die Schauspielerin Sarah Polley in ihrem Regiedebüt das langsame Verdämmern der Protagonistin, der die eigene Vergangenheit abhanden kommt, und die Reaktion eines Partners, der mit diesem Verlust leben und lernen muss, das Glück der kranken Partnerin über seine eigenen Ansprüche zu stellen. Die Stärke der Inszenierung liegt vor allem in der Arbeit mit den Schauspielern, die die Regisseurin zu darstellerischen Höchstleistungen auflaufen lässt: Julie Christies klares Porträt einer Alzheimer-Patientin erstickt jede Rührseligkeit im Keim, während Gordon Pinsent die schmerzhafte Entwicklung, zu der der Ehemann gezwungen wird, glaubhaft vermittelt. Ein kluger Film über die Bedeutung von Erinnerung, aber auch ein ungewöhnlicher Liebesfilm über zwei Menschen, die ein ganzes Leben geteilt haben und nun mit der Notwendigkeit des Loslassens konfrontiert werden.