Kinotipp der katholischen Filmkritik 173/August 2007

Tuyas Hochzeit

VR China 2006
Regie:Wang Quan'an
Länge: 96 Min.
Verleih:Arsenal

Tuya, eine junge, schöne und standhafte Schafhirtin, stößt an ihre körperlichen Grenzen. Das harte Arbeitsleben in den weiten Steppen der Inneren Mongolei spitzt sich durch ihre familiäre Lage noch weiter zu, denn Tuya muss allein für ihre zwei Kinder und ihren körperbehinderten Mann Bater sorgen. Die Lage ist mehr als ernst, und das Paar entscheidet sich für eine Scheidung, damit Tuya einen anderen Mann suchen kann, der für die Familie sorgt. Die Bewerber sind zahlreich, aber keiner will Tuyas Bedingung erfüllen und sich auch um Bater kümmern. Schließlich trifft Tuya ihre Wahl, aber jenseits aller Vernunft bleiben ihre Sehnsucht und der Respekt vor ihrer eigentlichen Familie.
"Tuyas Hochzeit" erzählt eine anrührende Geschichte über den Mentalitätswandel im mongolischen Teil Chinas sowie die schwierige Situation zwischen Tradition und Moderne. Distanziert und sensibel zugleich illustriert Wang Quan'an, Absolvent der Filmhochschule Peking, die Modernisierung und ihre Folgen im privaten wie im sozialen Bereich. "Das Neue birgt Möglichkeiten, aber auch die Gefahr, unschätzbare traditionelle Werte zu zerstören, statt sie zu bewahren", erläutert er; in diesem Sinn ist "Tuyas Hochzeit" für ihn keine ethnografische Studie, sondern "vermittelt Gefühle". Dem hiesigen romantischen Liebesverständnis stellt er eine pragmatische, aber nicht weniger liebevolle Haltung entgegen. Gewiss ist sein Film auch politisch, indem er den Blick auf die Folgen der Globalisierung an den Rändern unserer Welt lenkt; vor allem aber entwickelt Wang einfühlsam ein Beziehungsdrama, getragen von wunderbaren Bildern der kargen Landschaft, die jede folkloristische Verklärung durch leisen Humor umschiffen.