Kinotipp der katholischen Filmkritik 168/Februar 2007

Vier Minuten

Deutschland 2006
Regie: Chris Kraus
Länge: 111 Min.
Verleih: Piffl Medien

Eine 80-jährige Klavierlehrerin, deren Leben von einem in ihrer Jugend während der NS-Zeit erfahrenen Trauma überschattet wird, übernimmt in einem Frauengefängnis den Unterricht einer Delinquentin. Die spröde, aggressive junge Frau zeigt sich anfangs wenig bereit, sich auf die strenge Disziplin der Lehrerin einzulassen, ist aber gleichwohl als Pianistin hochbegabt. Zögerlich entwickelt sich zwischen den ungleichen Frauen, die höchstens ihre Ruppigkeit zu verbinden scheint, so etwas Verständnis und Freundschaft, was ihnen hilft, sich mit ihren Verwundungen aus der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Schließlich kämpft die alte Frau mit aller Kraft dafür, der Jüngeren durch die Teilnahme an einem Talentwettbewerb die Chance auf eine bessere Zukunft zu verschaffen.

Regisseur Chris Kraus gelingt ein mitreißendes Drama, dessen sorgfältige Inszenierung undvor allem die furiose Kameraarbeit ebenso überzeugen wie die großartigen Hauptdarstellerinnen Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung. Ohne in verkitschten Klischees über die „heilsame Kraft der Musik“ stecken zu bleiben, entwickelt der Film über das Klavier als Kommunikationsmittel einen intensiven, spannungsreichen Austausch zwischen den Protagonistinnen untereinander und mit ihren beschädigten Lebensgeschichten, woraus für beide neue Perspektiven erwachsen.