Kinotipp der katholischen Filmkritik 167/Dezember 2006

Babel

USA/Mexiko 2006
Regie: Alejandro González Iñárritu

Länge: 142 Min.
Verleih: Tobis

Zwei marokkanische Jungen hüten in der Nähe ihres Bergdorfs eine Ziegenherde und lösen mit ihrer Unbedarftheit eine weltumspannende Kettenreaktion aus: Zunächst wollen sie nur in Erfahrung bringen, ob das Gewehr ihres Vaters wirklich drei Kilometer weit schießt; die abgefeuerte Kugel durchschlägt die Scheibe eines Reisebusses und verletzt eine amerikanische Touristin. Wie sich im Lauf der nächsten Tage herausstellt, reicht das Geschoss indes bis ins ferne Kalifornien und zeigt auch in Mexiko und Tokio noch Wirkungen, die das Leben aller Beteiligten mehr oder minder erschüttern.
Alejandro González Iñárritu erzählt vier Geschichten, die durch eine fatale Fügung des Schicksals miteinander vorwoben sind. In Folge des Schusses geraten zwei amerikanische Wohlstandskinder in Lebensgefahr, ihre mexikanische Kinderfrau verliert Arbeit und Aufenthaltsgenehmigung, ein taubstummer Teenager findet die Möglichkeit zur Kommunikation. Das amerikanische Ehepaar entdeckt in der marokkanischen Wüste seine Liebe neu, ein kleiner Junge verliert sein Leben. Der Titel des atemberaubend inszenierten Films spielt auf die babylonische Sprachverwirrung an: Kommunikationslosigkeit und -armut sind seine zentralen Themen. Der mexikanische Regisseur verweist auf den denkbar schlechten Zustand einer Welt, die sich in einem Nord-Süd-Gefälle eingerichtet hat: Während die Amerikaner und Japaner durch einen (heilsamen) Schock ihre Sprache wiederfinden, zahlen die Bewohner der so genannten Dritten Welt einmal mehr die Zeche – ihnen bleiben Armut, Elend und Tod.