Kinotipp der katholischen Filmkritik 166/Dezember 2006

Mondscheinkinder

Deutschland 2005
Regie: Manuela Stacke
Länge: 90 Min.
Verleih: Piffl Medien

Die pubertierende Lisa trägt eine schwere Last: Das Mädchen ist die engste Bezugsperson für den kleinen Paul, Lisas Bruder, der wegen einer schweren Hautkrankheit nie dem Tageslicht ausgesetzt werden darf. Paul leidet in der abgedunkelten Wohnung darunter, dass er keine Schule besuchen und nicht im Hof mit anderen Kindern spielen kann. Aufopfernd kümmert sich Lisa um ihn und unterhält ihn mit selbsterfundenen Geschichten, in denen Paul als mutiger Raumfahrer galaktische Abenteuer erlebt. Dafür zahlt sie einen hohen Preis, denn bei seinen Altersgenossen eckt das zurückgezogene Mädchen mit dem „Monster-Bruder“ an. Als Lisa sich verliebt und Pauls Gesundheitszustand immer prekärer wird, wird ihre innere Kraft auf eine Zerreißprobe gestellt.
Während viele Kinderfilme oft eher für sorglose oder sogar harmlos-putzige Unterhaltung sorgen, greift Manuela Stacke in ihrem Film beherzt die Tabu-Themen Krankheit und Tod auf. Dabei gelingt ihr das Bravourstück, den schwergewichtigen Stoff ebenso unterhaltsam wie poetisch in eine Geschichte zu kleiden, die weder kleine Zuschauer über- noch Erwachsene unterfordert. Eine zugleich lebensnahe und fantasievolle Fabel über die „Kunst“ zu Sterben, in der die Liebe und die Vorstellungskraft der Geschwister zum wirksamen Bollwerk gegen die existenzielle Furcht vor dem Tod werden, und die sich mit viel Respekt, aber ohne Pathos ganz auf die Perspektive ihrer jungen Figuren einlässt.