Kinotipp der katholischen Filmkritik 164/August 2006

Sehnsucht

Deutschland 2006
Regie und Buch: Valeska Grisebach
Länge: 85 Min.
Verleih: Piffl Medien

Während eines Fortbildungslehrgangs der Freiwilligen Feuerwehr bricht ein junger Schlosser aus einem brandenburgischen Dorf aus seiner glücklichen, gleichwohl eintönigen Ehe aus und lässt sich auf eine Affäre mit einer Kellnerin ein. Unfähig sich zwischen den beiden Frauen zu entscheiden und vor allem mit seiner Ehefrau zu reden, die intuitiv fühlt, dass sie betrogen wird, steuert der stille, introvertierte Mann auf eine scheinbar unabwendbare Katastrophe zu.

Vor dem Hintergrund einer kargen, dennoch reizvollen Landschaft inszeniert die Regisseurin Valeska Grisebach einen Ausbruch aus der Enge des eigenen Lebens, der für alle Beteiligten überraschend kommt, weil das bisherige Glück nie in Frage gestellt wurde und die Menschen ein eher intuitives, für sie kaum benennbares Lebensdefizit empfinden. Dabei ist es der große Kunstgriff des Films, dass er den ebenso sympathischen wie einfachen Menschen große Gefühle zubilligt – auch wenn diese kaum in Worte gefasst werden können. Der ganz von der sehr einfühlsamen Inszenierung sowie den überzeugenden Darstellern getragene Film gewinnt seiner Allerweltsgeschichte faszinierende Facetten ab.