Kinotipp der katholischen Filmkritik 163/Juli 2006

Esmas Geheimnis – Grbavica

Östreich, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Kroatien 2004
Regie:
Jasmila Zbanic
Länge: 90 min
Verleih: Ventura

 

Mehr als zehn Jahre nach Beendigung der Kampfhandlungen in Jugoslawien lebt eine Bosniakin noch immer mit dem Stigma, in einem Internierungslager Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Ihrer zwölfjährigen Tochter, die das Kind dieses Verbrechens ist, hat sie bislang die Wahrheit verschwiegen – das Mädchen lebt in der Annahme, dass sein im Krieg gefallener Vater ein Held sei. Die ohnehin ambivalente Beziehung von Mutter und Tochter wird instabil, als ein äußerlicher Konflikt der beiden eskaliert. In die Enge getrieben und voller Verzweiflung, prügelt die Mutter schließlich die schreckliche Wahrheit in das Kind hinein. Erst nach diesem Ausbruch scheint beiden eine gemeinsame Zukunft möglich.

Der überaus intensive, dabei stets einfühlsame und vorurteilsfreie Film macht an einem Einzelschicksal menschliche Verletzbarkeiten erfahrbar und verdeutlicht die traumatischen Erlebnisse bis in die nachwachsende Generation hinein. Obwohl die Erzählung zeitlich und geografisch verortet ist, unterstreicht die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm stets die universelle Absicht, die ihrem beeindruckenden Werk zugrunde liegt, das über den konkreten Fall des Balkan-Krieges hinausweist und Leid als Folge eines jeden Krieges verdeutlicht. Vor allem zeichnet sich der Film dabei durch den Mut aus, die Kraft der Liebe ins Zentrum der universalen Problematik der Versöhnung zu stellen.