Kinotipp der katholischen Filmkritik 162/Mai 2006

Moolaadé

Senegal,Frankreich, Burkina Faso, Maokko, Tunesien 2004
Regie: Ousmane Sembène
Länge: 124 min
Verleih: Neue Visionen

Eine trügerische Ruhe herrscht in einem senegalesischen Dorf, in dem eine couragierte Frau vier Mädchen unter einen Schutzbann gestellt hat und fest entschlossen ist, sie vor der rituellen Beschneidung zu bewahren. Vor Jahren hatte sie ihrer eigenen Tochter diesen Eingriff erspart; seither schwelt der Konflikt, der nun neue Dimensionen anzunehmen droht; denn nicht nur die Beschneiderinnen sehen ihre Macht bedroht, auch die Männer fühlen sich in ihrer Vormachtstellung durch den Affront gegen die Tradition bedroht. Mit allen Mitteln versuchen sie, den Willen der Frau zu brechen.
Mit „Moolaadé – Bann der Hoffnung“ hat Ousmane Sembène, der Altmeister des senegalesischen Kinos, einen engagierten Film gegen die Klitorisbeschneidung geschaffen. Darüber hinaus erzählt sein bildgewaltiger und kraftvoller Film in der Form einer Parabel, die Emanzipation und das Miteinander von Mann und Frau, Tradition und Moderne beschwört. Formal bleibt er dabei den Formen des farbenprächtigen, ornamentalen afrikanischen Kinos treu, legt seine Geschichte jedoch auch als Lehrstück an, in dem sich Unterhaltung und Aufklärung miteinander verbinden. Der vielschichtige Film prangert nicht nur Unrecht an, sondern lädt zur Auseinandersetzung mit einer Welt und ihren Werten ein, die zwar im Wandel begriffen ist, sich ihre Wurzeln aber bewahren will.