Kinotipp der katholischen Filmkritik 160/Januar 2006

Sommer vorm Balkon

Deutschland 2005
Regie: Andreas Dresen
Länge: 110 min
Verleih: X Verleih

Zwei befreundete Frauen schlagen sich, mit unterschiedlichem Geschick, in Berlin durch: Die allein erziehende Katrin träumt vom Apotheker gegenüber, die „toughe“ Altenpflegerin Nike sucht einen Mann, der zupacken kann, und findet ihn im rauen Trucker-Fahrer, der sich flugs bei ihr einnistet. Trotz aller Lebenserfahrungen und Rückschläge geben sie die Suche nach dem Glück nicht auf: Am Ende des Sommers sitzen die jungen Frauen wieder gemeinsam auf dem Balkon und trinken Rotwein – immer noch verletzlich, aber ein wenig pragmatischer.

Dresens Film hat alles, was eine gute Komödie auszeichnet: hinreißenden Humor, ein Quäntchen Traurigkeit, eine Prise Hoffnung, treffsichere Dialoge und überzeugende Darsteller, die von einer Verzweiflung in die nächste stolpern und beim Auszählen bei Neun wieder aufstehen. Weitab jeglichen Gefälligkeitskinos buchstabiert Dresen die ganze Gefühlspalette durch, spürt den Sollbruchstellen des Lebens nach. Seine Heldinnen schlagen sich durch den sozialen Dschungel und überstehen emotionale Katastrophen mit Blessuren. Vor allem in der Liebe versuchen die beiden Freundinnen am Prenzlauer Berg, ihre Existenz neu zu ordnen; denn die „richtigen“ Männer entpuppen sich in dieser zärtlichen Betrachtung des Single-Daseins als Flops. „Sommer vorm Balkon“ erzählt von Freundschaft und Solidarität, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Einsamkeit im Alter – und bleibt dabei stets leicht, geradezu heiter und lebensfroh. Souverän verbindet der Film seine nachdenkliche Grundstimmung mit einem subtilen Gespür für das Komische im Alltag. Überzeugende Darsteller, der fast dokumentarische Anstrich und die kluge Musikauswahl machen den Film zu einem Erlebnis.