Kinotipp der katholischen Filmkritik 159/Dezember 2005

Die große Stille

Deutschland 2005
Regie: Philip Gröning
Länge: 167 min
Verleih: X Verleih

Die „Grande Chartreuse“, das Ursprungskloster der Kartäusermönche, liegt in einem Felsmassiv hoch über Grenoble. Hierhin ziehen sich Menschen zurück, die ihr Leben im kontemplativen Gebet Gott widmen. Jeder von ihnen bewohnt eine eigene Klause, in der er den größten Teil des Tages und seines Lebens verbringt. Nur zum Chorgebet und an Sonn- und Feiertagen treffen die Mönche zusammen, wobei das strenge Schweigegebot für Stunden aufgehoben wird.
Ihrer Existenz spürt der Dokumentarfilm von Philip Gröning nach. Gröning hat sich auf die asketische Daseinsform der Kartäuser eingelassen und sich monatelang den harten Ordensregeln unterworfen. Ihn interessiert dabei freilich nicht der streng ritualisierte Alltag hinter den Klostermauern, sondern vielmehr die Essenz dieser unzeitgemäßen Lebensweise, die in steter Wiederholung von Arbeit und Gebet tiefe Gelassenheit und Vertrauen, aber auch eine Zeitlosigkeit ausstrahlt, die das moderne Selbstverständnis irritiert. Die Bedingungen der Mönche (kein erläuternder Kommentar, keine Interviews, keine unterlegte Musik) münzt der Film zu seinem Vorteil um, indem er sich ganz dem Schweigen und der Stille überlässt. Durch die kunstvolle Montage aus Klängen, Kontrasten und fließenden Bewegungen vermittelt sich der überraschend sinnliche Eindruck eines großen, wenngleich weiterhin fremd bleibenden Lebensexperiments, in dessen Zentrum das Gotteslob steht.