Kinotipp der katholischen Filmkritik 155/September 2005

Das Fenster gegenüber

Italien/Türkei/Großbritannien/Portugal 2003
Regie: Ferzan Özpetek
Länge: 106 min
Verleih: Kairos

Nach neun Ehejahren ist die Beziehung Giovannas (Giovanna Mezzogiorno) zu ihrem Ehemann in Routine erkaltet; weder ihr Familienleben noch ihre Arbeit in einer Großfleischerei bringen ihr Zufriedenheit. Einziger Lichtpunkt ist der abendliche Blick aus der Küchen ins Fenster gegenüber, zu einem attraktiven Nachbarn. Doch dann nimmt ihr gutherziger Ehemann einen älteren Herrn (Massimo Girotti) auf, der sein Gedächtnis verloren hat. Zuerst ist Giovanna wenig erfreut über die Anwesenheit dieses Fremden, der sich Simone nennt, doch dann kommen sie sich über eine gemeinsame Leidenschaft, das Backen, näher; und je mehr sie über ihn erfährt, umso mehr erkennt sie in seinem tragischen Schicksal Parallelen zu ihrem eigenen Leben – und findet die Kraft, sich aus ihrer Lethargie zu befreien.
Regisseur Ferzan Özpetek erzählt in seinem Film eine sensible, ruhig entwickelte Geschichte über eine Frau, deren Leben in eine Sackgasse geraten ist und die durch eine ungewöhnliche Begegnung Impulse erhält, ihr Schicksal und ihre eigenen Wünsche neu zu überdenken. Wie in vorangegangenen Filmen des Regisseurs, so ist es auch hier die Konfrontation mit der Vergangenheit, hier das Schicksal eines älteren Menschen, das der jungen Frau den Mut gibt, ihren erstarrten Alltag aufzubrechen. In der Figur des Simone werden dabei brenzlige Themen wie die Judenverfolgung unter den Faschisten und die Diskriminierung Homosexueller aufgegriffen, wobei jedes Klischee vermieden wird.