Kinotipp der katholischen Filmkritik 152/April 2005

Maria voll der Gnade

Kolumbien / USA 2005
Regie: Joshua Marston
Länge: 101 min
Verleih: Universum

Eine 17-jährige Kolumbianerin will den drückenden Verhältnissen in ihrem kleinen kolumbianischen Heimatorts entkommen. Obwohl sie schwanger ist, lässt sie sich in der Hauptstadt Bogota als „drug mule“ anheuern: Mit 62 daumengroßen Päckchen voller Heroin im Magen, steigt sie ins Flugzeug nach Amerika. Zwar kommt sie gut durch den Zoll, doch als sie in ihrem Unterschlupf in Los Angeles mit ansehen muss, wie eine Kollegin stirbt, flieht sie voller Panik zusammen mit einer Freundin vor den Kontaktleuten der Drogenmafia. Ganz auf sich gestellt, müssen sich die Mädchen in der fremden Stadt alleine durchschlagen.

Regisseur Joshua Marston ist mit diesem leisen Drama ein politisch und sozial brisanter Film gelungen, der durch seine Frische und Spontaneität berührt, ohne in falsche Dritte-Welt-Sentimentalitäten abzugleiten. Die Inszenierung verliert sich nicht in abstrakten Analysen, sondern konzentriert sich auf das Schicksal der jungen Protagonistin, die von Catalina Sandino Moreno glaubhaft und eindringlich verkörpert wird. Die gesellschaftlichen Missstände, auf die der mutige Film hinweist – die Ausbeutung der kolumbianischen Bevölkerung durch wenige Großunternehmer und die Unmenschlichkeit der Drogenmafia –, werden im Schicksal der Hauptfigur bedrängend erfahrbar.