Kinotipp der katholischen Filmkritik 151/März 2005

Willenbrock

Deutschalnd 2005
Regie: Andreas Dresen
Länge: 108 min
Verleih: Dephi

Der Magdeburger Autohändler Willenbrock ist ein Geschöpf des Schriftstellers Christoph Hein, der im gleichnamigen Roman vom scheinbar erfolgreichen Aufstieg eines Angestellten nach der Wende erzählt, der mit dem An- und Verkauf von Gebrauchtwagen als Kleinunternehmer reüssierte. In Andreas Dresens konzentrierter Adaption verwandelt Axel Prahl diese Figur in einen sympathisch-gewinnenden Gemütsmenschen, dem niemand so recht böse sein kann, selbst wenn ihn Willenbrock unverhohlen über den Tisch zieht. Doch die behagliche Wohlstands- und Lebensattitüde zeigt Risse. Aus dem Geschäft verschwinden Autos, Willenbrock und seine Frau werden in ihrem Landhaus überfallen, die russische Mafia bietet ihre Dienste an, eine neue Geliebte geht eigene Wege.

Vor allem der nächtliche Überfall hinterlässt Spuren; Willenbrocks hemdsärmelige Selbstsicherheit bricht allmählich zusammen. Das Wechselspiel von Bedrohung, Verdrängung, Angst und dem Besitz einer Waffe entwickelt eine Eigendynamik, die Willenbrock immer mehr zum Spielball von Furcht und Zwängen macht. Was an seiner Gestalt als exemplarische Verunsicherung eines Menschen durchbuchstabiert wird, kann unschwer auch als gesellschaftlich-politische Metapher über die deutsche Gegenwart gelesen werden. Dabei ist es der engagierten Inszenierung und den humoristischen Schauspielern zu verdanken, dass daraus kein Thesenfilm wurde, sondern ein packendes, menschlich berührendes Drama.