Frankreich 2004
Regie:Patrice Leconte
Länge: 104 min
Verleih: Arsenal (auch O.m.d.U.)

Intime Fremde

Kinotipp der katholischen Filmkritik 149/Dezember 2004

Die Geschichte einer Verwechslung. Eine Frau klingelt an der falschen Tür. Sie gerät nicht an einen Psychoanalytiker, sondern an einen Steuerberater: einen noch in der Schale mütterlich beschützter Kindheit verborgenen Mann; einer, der noch nicht zu Ende geboren worden ist, hört sich mit großen, erstaunten Augen die Ehegeständnisse seiner Besucherin an, die auch dann erscheint, als der Irrtum aufgeklärt ist. Zwischen den beiden entfaltet sich, konterkariert vom Ehemann der Frau und vom um eine Patientin geprellten Seelenarzt, eine komplizierte Beziehung, ein fragiles emotionales Gewebe aus Liebe, Begehren, Misstrauen und Eifersucht.

Um die Neurosen und Psychosen seiner bürgerlichen Protagonisten entwirft der Film des französischen Regisseurs Patrice Leconte ein elegantes Spiel mit ironischen Verweisen auf die Psychoanalyse und ihre Rezeption im Film; hinter den milde-satirischen Elemente und Film-Noir-Anklängen bleibt die romantische Unterströmung jedoch stets präsent, woran nicht zuletzt die Filmmusik Anteil hat, die einen "heißen Echoraum" für eine kühl konstruierte Geschichte schafft. Denn es bleibt nicht bei der Seelenschau; beide begegnen sich wieder, in der Sonne des Südens. Sie hat sich getrennt, er einen neuen Lebensraum geschaffen. Ein Anfang ist möglich.