Südkorea 2004
Regie: Kim Ki-duk
Länge: 98 min
Verleih: Rapid Eyes Movies

Samaria

Kinotipp der katholischen Filmkritik 148/Dezember 2004

Eine Geschichte um Schuld und Sühne. Der Film beginnt als Schülerinnen-Tragödie, in der sich ein Mädchen prostituiert, während ihre Freundin als Zuhälterin fungiert. Als die eine in Panik vor der Polizei aus dem Fenster stürzt und stirbt, will die andere alles rückgängig machen, indem sie ihrerseits in die Rolle der Freundin schlüpft und die Dinge wortwörtlich ungeschehen machen will. Ein in seiner verrückten Logik eindringlicher Akt der Sühne. Wäre da nicht der Vater, ein Polizist, der den Spuren seiner Tochter folgt, den "Kunden" auflauert und sich in einen mörderischen Rachsucht hinsteigert.

Kim Ki-duks bildgewaltiges Drama ist eine intensiv inszenierte, ebenso beklemmende wie spannende Studie über moralische Entfremdung. Der Titel spielt auf das Johannesevangelium an. "Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern", heißt es dort. Folglich geht es hier ebenso um Ausgrenzung wie um fehlende Kommunikation. Kim Ki-duk wirbt für Verstehen, Verzeihen und Vergeben. Dennoch oder eben deshalb wählt er ein Erlösungskonzept, das irritiert und verstört. Dabei (er-)findet er großartige Bilder und Metaphern, erzählt mit visuellen Mitteln. Am Schluss entscheidet sich der Vater zur Trennung. In einer gespenstischen Totale sieht man das Auto mit der verlassenen Tochter in der Abenddämmerung – ein trauriges Schlussbild, denn das Mädchen hätte eher einen Vater an seiner Seite gebraucht als einen rechtschaffenen Vater im Gefängnis.