Deutschland Großbritannien 2004
Regie: Thomas Riedelsheimer
Länge: 100 min
Verleih: Piffl Medien

Touch the Sound

Kinotipp der katholischen Filmkritik 147/November 2004

Die schottische Percussionistin Evelyn Gleenie ist ein Phänomen. Obwohl nahezu gehörlos, spielte die Musikerin in den letzten Jahren mit den berühmtesten Orchestern der Welt. Doch ihr Arbeitsalltag interessiert in Thomas Riedelsheimer Dokumentarfilm so wenig wie ihre Behinderung. Statt dessen begleitet er sie ein Jahr lang auf einer Klangreise rund um den Globus. Diese führt nach Schottland, Japan, New York und Kalifornien, vor allem aber in die eigentümliche Welt der Künstlerin, die ihre Umgebung vornehmlich in Form von Klängen, Schwingen und Resonanzen wahrzunehmen scheint.

Der virtuos montierte und brillant fotografierte Film macht sich dabei die Sicht- und Hörweise seiner Protagonistin zu eigen, indem er seine Umgebung mit der Kamera "belauscht" und das Klackern von Absätzen, das Flattern von Fahnen im Wind oder das Stimmengewirr in einem japanischen Supermarkt in ein eigentümlich flirrendes Filmkunstwerk übersetzt. Das erzählerische Gerüst, in das diese sinnfälligen Miniaturen eingebunden sind, bildet eine Session, zu der Glennie und der Avantgard-Musiker Fred Frith in einer alten Industriehalle zusammen kommen. Der visuell und auditiv verblüffende, mit hohem Aufwand und großer Sorgfalt kompilierte Dokumentarfilm begeistert jedoch nicht nur als Eloge auf die Welt der Töne und Geräusche, sondern überzeugt auch als anthropologisch-philosophische Meditation über das Geheimnis des Hörens.