Deutschland 2004
Regie: Bernd Sahling
Länge: 88 min
Verleih: MFA

Die Blindgänger

Kinotipp der katholischen Filmkritik 145/Oktober 2004

Die Geschichte zweier blinder, Musik begabter 13-jähriger Mädchen, die in einem Internat leben und mit Mut und Selbstbewusstsein den Weg aus den sie absichernden Strukturen wagen. Marie versteckt einen von Heimweh getriebenen russlanddeutschen Jungen, mit dem sie und Inga schließlich ein Musikvideo drehen, das ihr verständnisvoller Lehrer bei einem Talentwettbewerb einreicht. Der unerwartete Erfolg bringt Anerkennung und Respekt und geht einher mit der weit wichtigeren Erkenntnis ihrer eigenen inneren Stärke - einer gefestigten "Lebenstauglichkeit", die sich aus dem intensiv er- und durchlebten Umgang mit ihren gar nicht mehr so kindlichen Gefühlen und Bedürfnissen speist.

Wann konnte man bislang schon einmal mit gutem Gewissen behaupten, dass sich ein deutscher Kinder- und Jugendfilm mit anspruchsvollem Sujet zu behaupten weiß? Eindrucksvolle junge Darsteller und die sehr sensible Verknüpfung der Fabel mit der Musik als einem kreativen, schöpferischen Lebensausdruck verbinden sich mit einer poetischen und zugleichhumorvollen Geschichte, die unaufdringlich für Verständnis und Toleranz wirbt. Was den Film so wahrhaftig macht, ist der Umstand, dass er kein Mitleid schindet. Es geht um Kinder, die in ihrer hürdenreichen Wirklichkeit Fuß gefasst haben und sich zur Wehr setzen. So gehört "Blindgänger" zu den seltenen anspruchsvollen Kinderfilmen, die einen bewegen, ohne dass auf der Leinwand zu viele Tränen vergossen werden.