Dänemark 2003
Regie: Annette K Olesen
Länge: 101 min
Verleih: Concorde

In deinen Händen

Kinotipp der katholischen Filmkritik 144/September 2004

Eine junge dänische Pfarrerin wird kurzfristig als Vertretung in ein Frauengefängnis berufen. Obwohl sie über keine Berufs- und Knasterfahrung verfügt, will sie durch ihre fröhlich-optimistische Art den inhaftierten Frauen helfen, mit ihrer Schuld besser klar zu kommen. Die Realität hinter Gittern, Drogen, eine knallharte Hierarchie, Misstrauen und eingesperrte Gefühle, fechten sie dabei wenig an. Bis sie, die jahrelang vergeblich versucht hatte, schwanger zu werden, die Nachricht erhält, ein Kind zu erwarten, das unter Umständen behindert ist. Hin- und hergerissen, ob sie den Fötus austragen oder lieber abtreiben soll, ringt sie auch mit dem Gedanken, Hilfe bei einer Gefangenen zu suchen, die angeblich über heilende Fähigkeiten verfügen soll, aber wegen fahrlässigem Todschlags im Gefängnis sitzt - sie hatte im Drogenrausch ihr Baby verdursten lassen.
Mit der existenziellen Herausforderung verschiebt sich auch der Fokus des bestechend entwickelten und hervorragend gespielten Dramas, das im Zentrum um die Frage kreist, ob und wem man sich - gerade angesichts tiefster Not - anvertrauen kann. Der nach "Dogma"-Regeln inszenierte Film bezwingt durch seine radikale Unmittelbarkeit, mit der er psychische Situationen und strukturelle Verhältnisse skizziert, ohne viele Worte zu machen. Dadurch entzieht er sich auch vorschnellen Festlegungen, weil es ihm trotz des "religiösen" Settings nicht um metaphysische, sondern um menschliche Wahrheiten geht, darum, dass Anteilnahme und Hoffnung Leid mildern und Zukunft eröffnen, aber durch Missgunst, Schmerz oder Eifersucht auch leicht in ihr Gegenteil verkehrt werden können. Ein herausfordernder Film, dessen stilistische Eigenheiten den Blick für fundamentale Lebenseinstellungen schärfen.