USA 2003
Regie: Thomas McCarthy
Länge: 90 min
Verleih: Prokino

Station Agent

Kinotipp der katholischen Filmkritik 143/Juli 2004

Ein kleinwüchsiger Mann zieht sich in das Stationshäuschen einer stillgelegten Provinzbahn zurück und kehrt, an seinem vermeintlichen Gebrechen leidend, der Welt den Rücken. Sein Rückzug weckt das Interesse eines kubanischen Würstchenverkäufers, der an der Fremde leidet, sowie das einer Frau mittleren Alters, die sich als Malerin betätigt und den Tod ihres Sohnes nicht verwinden kann. Ganz allmählich nähern sich die drei an ihren Schicksalen leidenden Menschen einander an. Sie erkennen, dass sie sich gegenseitig stützen können, die aufkeimende Freundschaft aber auch immer aus einer gewissen Distanz betrachten werden.

Der von wunderbar lakonischen Dialogen getragene Film folgt in seinem langsamen Erzähltempo dem vorsichtigen Annäherungsprozess seiner drei so unterschiedlichen Protagonisten, die sich trotz des Wunsches nach Nähe immer wieder auch die Chance einer Rückzugsmöglichkeit einräumen. Dabei wird nicht nur die Sehnsucht nach Toleranz und Freundschaft thematisiert, sondern auch der Respekt vor dem Leiden und den Verlusterlebnissen des Nächsten, dem man seinen individuellen Schmerz zugestehen muss. Ein ebenso intelligenter wie warmherziger Film, der für das Recht auf Individualität plädiert und anhand seiner gebrochenen Charaktere auf differenzierte Weise die Frage umkreist, was und wer überhaupt behindert ist. Dabei wird deutlich, dass die Überwindung der Einsamkeit immer auch der therapeutisch richtige Schritt zur Heilung von Körper und Seele ist.