Deutschland 1996 - 2004
Buch und Regie: Andres Veiel
Länge: 108 min
Verleih: timebandits

Die Spielwütigen

Kinotipp der katholischen Filmkritik 141/Juni 2004

Sieben Jahre lang begleitete Andres Veiel vier Schauspielerschüler, drei junge Frauen und einen jungen Mann, auf dem Weg in ihren Traumberuf als Theaterschauspieler(in): von der Vorbereitung 1997 auf die Aufnahmeprüfung an der renommierten Ost-Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" bis zu den ersten Engagements im Jahr 2003. Präzise und dicht zeichnet der Dokumentarfilm die Hintergründe und Motive, wobei es den Regisseur nach eigenem Bekunden vor allem interessierte, Menschen in existenziellen Situationen zu erleben, in einem Moment des Umbruchs, der einen tiefen Einblick ermöglicht. Veiel beobachtet die vier "Spielwütigen" während ihres beschwerlichen und hindernisreichen, mühsam erkämpften Weges voller (Selbst-)Zweifel und Rückschläge, Enttäuschungen und Ängste – zugleich aber registriert er die nicht minder bereichernden, erfüllten und zutiefst befriedigenden Erfahrungen ihrer eigenen Stärken und Fähigkeiten.

Wohltuender Weise hat die Langzeitdokumentation nichts mit der modischen Sendeform des "Reality TV" gemein. Aus dem "natürlichen" Zwang der Verdichtung des Materials über vier Persönlichkeiten aus sieben Jahren auf Kinofilmlänge entwickelte sich eine sehr persönliche Aufbereitungsform, die deutlich mit der Organisation eines narrativen Spielfilms verwandt ist – in der Tat "inszeniert" Veiel Initiationsgeschichten, er erzählt, pointiert und dramatisiert, schafft Emotionen und Spannung. Über Details, Indizien und Spuren kommt man den jungen Menschen nahe, wobei ein Krimi kaum spannender, ein Melodram kaum tiefer berühren könnte als dieser Dokumentarfilm. Am Ende steht die Frage nach dem Glück. "Irgendwie" seien sie glücklich, doch die Zeit zum Innehalten, zum Leben und zur Suche nach dem entscheidenden Sinn ihres Lebens steht noch weitgehend aus.