Israel 2002
Buch und Regie: Nir Bergman
Länge: 87 min
Verleih: Alamode

Broken Wings

Kinotipp der katholischen Filmkritik 139/Januar 2004

Ein Familienvater stirbt bei einem Ausflug an den Folgen eines Bienenstichs - ein plötzlicher Tod, auf den die Familie nicht vorbereitet war, ein Tod ohne die Möglichkeit, ihn posthum durch politische oder religiöse Beweggründe zu erklären oder den Vater zum Märtyrer zu machen. "Ich wollte zeigen, wie zerbrechlich das Lebenist, und dass wir immer vom Tod umgeben sind", erläutert Regisseur Nir Bergman. "Man kann durch einen Bienenstich sterben. Die Angehörigen müssen dann mit dem gleichen Schmerz, mit der gleiche Trauer umgehen, als wäre der Tote im Krieg gestorben. Der Weg, damit fertig zu werden, unterscheidet sich nicht; es sind die gleichen Gefühle, Selbstverachtung, Wut und das Empfinden von Schuld." Der Film setzt unmittelbar nach dem Tod in dem Moment ein, als die Familie in Trauer und Sprachlosigkeit erstarrt. Jedes Familienmitglied versucht, aus eigener Kraft der Halt- und Hilflosigkeit zu entkommen und seinen eigenen Weg aus der Erstarrung zu finden.

Sensibel erzählt das bewegende Familiendrama von allen Facetten der Trauer, wobei es durchaus auch komische Momente zwischen Angst und Zusammenhalt einbezieht. Auf einem langen Weg der Auseinandersetzung, der Trauerarbeit und der Erkenntnis, aufeinander angewiesen zu sein, findet die Familie langsam wieder zusammen und entwickelt neue Hoffnung und Lebensmut. Am Ende steht die Entscheidung für das Leben und der Glaube an die Selbstheilungskräfte der Familie. Dabei geht die Geschichte weit über das Private hinaus und fängt eine kollektive Grundstimmung in der israelischen Gesellschaft: die Angst vor Anschlägen, vor Verlust geliebter Menschen, vor dem eigenen Tod. Das ist exemplarisch, aber durchaus auch universell und allgemeinverständlich.