Kanada/Spanien 2003
Regie: Isabel Coixet
Länge:106 min
Verleih: Tobis Film

Mein Leben ohne mich

Kinotipp der katholischen Filmkritik 136/September 2003

"Du entdeckst plötzlich, dass Dein bisheriges Leben ein Traum war und Du soeben aufgewacht bist", sinniert die 23-jährige Ann, als ihr der Arzt eröffnet, dass sie unheilbar erkrankt ist und nur noch wenige Wochen zu leben hat. Doch statt sich der Verzweiflung zu überlassen, fasst die Mutter zweier kleiner Mädchen einen einsamen Entschluss: ihre verbleibende Zeit auszukosten, sich kleine Wünsche zu erfüllen und das Familienleben nach ihrem Tod zu organisieren. Tags darauf setzt sie sich ins Cafe, bestellt Kaffee und Kuchen, und notiert: "Dinge, die ich noch erledigen muss, bevor ich sterbe". Dazu zählen u.a. nach Herzenlust trinken und rauchen, die eigene Meinung ohne Rücksicht äußern, mit anderen Männern schlafen, den Vater im Knast besuchen, die Frisur ändern, ihrem Ehemann und ihren Kindern eine neue Mutter besorgen.
Isabel Coixet spart in ihrem bewegenden Drama wenig aus und scheut weder vor drastischen noch sentimentalen Momenten zurück. Mit ihrer Hauptfigur teilt die Inszenierung die Bereitschaft, die Gegenwart nicht der Trauer über verpasste Chancen oder eine limitierte Zukunft zu opfern, sondern den jeweiligen Tag bzw. die Stunde zu nutzen. Zwischen "memento mori" und "carpe diem" gerät zwar der physische Tod aus dem Blick, doch befreit diese Einseitigkeit zu einer umso entschiedeneren Bejahung der Endlichkeit.