Deutschland 2003
Regie: Hans-Christian Schmid
Länge:105 min
Verleih: Prokino

Lichter

Kinotipp der katholischen Filmkritik 135/August 2003

Die Oder zwischen Frankfurt und dem polnischen Städchen Slubice trennt nicht nur zwei Länder, sondern Hemisphären, die zwischen West und Ost. Entlang dieser "kontinentalen" Barriere entfaltet "Lichter" von Hans-Christian Schmid in fünf feingesponnenen Erzählsträngen ein facettenreiches Patchwork aus Träumen, Nöten, Sehnsüchten und Schicksalen. Der Film entwickelt dabei ein tiefes Gespür für den Alltag und die Widersprüche seiner unterschiedlichen Figuren, die als Flüchtlinge ohne Papiere in den Westen wollen, beim Bundesgrenzschutz arbeiten, Matrazen verkaufen, ein gewinnträchtiges Joint-Venture planen, Zigaretten schmuggeln oder einfach diesseits und jenseits der Oder wohnen.
Aus den zahlreichen - legalen wie illegalen - Wegen erwächst die Skizze eines regionalen wie mentalen Landstrichs, die auf ihre Weise die "Osterweiterung" des deutschen Kinos fortschreibt. Denn neben seiner bemerkenswerten Aufmerksamkeit für die Ränder der deutschen Wohlstandsgesellschaft öffnet der Film den Blick für eine Gegend, die im Bewusstsein vieler Zeitgenossen weiter entfernter ist als beispielsweise New York. Die Beibehaltung der jeweiligen Muttersprachen und der Einsatz von Untertiteln unterstreicht dabei das Bemühen, die Unterschiede nicht zu negieren, ohne das Trennende in den Vordergrund zu schieben. Die episodische Struktur und die mitunter schmerzliche Nähe der Handkamera vermitteln eindringlich eine Ahnung von der existentiellen Unbehaustheit der Figuren, aber auch von den Widrigkeiten der politischen Umbruchssituation. Obwohl nahezu alle Figuren scheitern, wahrt der humane Realismus des Films eine Balance zwischen drückender Schwere und leichteren Momenten, in dem er nicht beschönigt, aber dennoch für die Zukunft hoffen lässt.