GroßbritannienFrankreich 2002
Regie: Mike Leigh
Länge:128 min
Verleih: Tobis

All or Nothing

Kinotipp der katholischen Filmkritik 132/Januar 2003

Eine graue Hochhaussiedlung im Süden von London. Hinter einem Fenster sitzen Phil und Penny mit ihren beiden erwachsenen Kindern. Das Gespräch dreht sich oft ums Geld, das Phil eigentlich mit seinem Taxi verdienen sollte. Doch der kommt am Morgen nicht aus den Federn, auch wenn Penny noch so nörgelt, weil er sich auf der Verliererseite des Lebens fühlt. Resignation und Müdigkeit haben sich tief in seine verwahrloste Gestalt eingegraben; auch die Kinder schotten sich mit massiven Körperpanzern gegen die Zumutung des Lebens ab.

Einmal mehr beschreibt Mike Leigh ein Leben am Rande des Chaos, wenn die Gespräche versiegen und die Liebe lange erloschen ist. In "All or Nothing" geht es um die Situation der britischen Arbeiterklasse, deren Gemütszustand so düster ist wie ihre Zukunftsaussichten trübe sind. Doch manchmal genügt ein einziges Ereignis, um den Fatalismus zu wehren. Als Phils Sohn Rory zusammenbricht und ins Krankenhaus eingeliefert wird, findet die Familie an seinem Bett zusammen; es tut sich sogar eine kleine Perspektive für eine bessere Zukunft auf. "All or Nothing" ist ein ungeschminkter, herber Film, der deutlich macht, dass es sich lohnt, um sein Glück zu kämpfen - nicht zuletzt deshalb, weil man dadurch seine eigene Würde wahrt.