VR China 2001
Regie: Zhang Yimou
Länge: 96 min
Verleih: Twentieth Century Fox

Happy Times

Kinotipp der katholischen Filmkritik Dezember 2002

Mitten im sommerlichen Alltag entspinnt sich in einer chinesischen Großstadt eine berückende Geschichte um Freundschaft, Zuneigung und Menschlichkeit: Zhao, ein Frührentner Anfang 50, zehrt von seinen Illusionen und eckt immer wieder an einer "schnöden" Realität an, die vor allem an materiellem Wohlstand interessiert ist. Seiner Zukünftigen schwindelt er vor, dass er ein florierendes Hotel besäße, das aber nur ein mit greller Farbe übertünschtes Buswrack ist; und für das blinde Mädchen Wu Ying, eine zierliche und hübsche, ebenso gefährdete wie schutzbedürftige 18-Jährige, inszeniert er sogar einen Hotelbetrieb mit Massagesalon, in dem Wu Ying ein Einkommen und einen Platz im Leben findet. Doch wie lange funktioniert das gut gemeinte Spiel? Wann erkennt die "Betrogene" die Wahrheit, und was zählt mehr: die Illusion oder eine verantwortungsbewusste Fürsorge? "Happy Times" ist ein tragikomisches Spiel mit Maskeraden, bei dem alle Täuschungsmanöver eigentlich nur von der Armut, der Einsamkeit und der Lebensangst der Menschen ablenken und diese zugleich beenden sollen. Dabei besitzt der Film viel charmanten Witz und berührt auf eigentümliche Weise: Wenn sich der alternde Mann und das blinde Mädchen im tosenden Großstadtverkehr gegenüber stehen, versunken in ihrer stillen Zuneigung füreinander, dann entwickelt der Film eine ganz eigene Poesie. So "schlicht" die Fabel auf den ersten Blick daherkommt, so subtil spielt sie mit Bildern und Tönen, um am Ende die wahren Stärken und das neu entdeckte Selbstwertgefühl der Protagonisten zu feiern.