Deutschland 2001
Regie: Andreas Dresen
Länge: 103 min
Verleih: Delphi

Halbe Treppe

Kinotipp der katholischen FilmkritikSeptember 2002

Zwei Ehepaare leben in Frankfurt/Oder, sie sind Ende 30, also ungefähr auf der "halben Treppe" ihres Lebens. Uwe und Steffi, Chris und Katrin sind unspektakuläre Durchschnittsmenschen mit dem üblichen Stress bei der Verwaltung von Familie und Arbeit - keine urbanen Selbstdarsteller mit schicken Berufen, vielmehr gezeichnet von abendlicher Erschöpfung und Müdigkeit nach einem langen Tag. Zeit für Träume, Begehrlichkeiten und Wünsche bleibt da kaum in einem Alltag, der allenfalls dadurch aufregend wird, dass sich der Wellensittich auf und davon macht. Da beginnen Steffi und Chris ein Liebesverhältnis, das die Routine der vier Personen gehörig aus den Angeln hebt.

Ohne festes Drehbuch entwickelte Andreas Dresen in demokratischer Gemeinschaftlichkeit mit Schauspielern und technischem Team eine improvisierte Beschreibung, die ebenso einfühlsam wie zurückhaltend die Balance zwischen Alltagsdrama und exquisiter Komödie hält. Obwohl vieles nur angedeutet oder wie im Vorbeigehen gestreift wird, entfaltet "Halbe Treppe" ein hohes Maß an Prägnanz und poetischer Dichte, wobei Dresen die Wünsche und Bedürfnisse "seiner" Personen schmerzlich zum Bewusstsein bringt. Es ist ein Genuss, den uneitlen Darstellern zuzuschauen resp. zuzuhören und darüber zu staunen, wie es ihnen gelingt, die Spannung zwischen intimer Nähe und sanft-ironischer Distanz zu wahren, um am Ende neue Stärke, Hoffnung und Lebensmut zu finden.