Tunesien/Frankreich 2002
Regie: Raja Amari
Länge: 91 min
Verleih: Alamode

Roter Satin

Kinotipp der katholischen Filmkritik 127 / Mai 2002

Die etwa 40-jährige Witwe Lilia führt ein stilles Leben als Hausfrau und Mutter einer halbwüchsigen Tochter in Tunis. Offensichtlich hat sie sich mit ihren Pflichten abgefunden und sich mit den Traditionen arrangiert. Eines Tages stößt sie auf ein "Cabaret", in dem Bauchtanzdarbietungen angeboten werden, und wird, angeregt durch ihre eigene heimliche Leidenschaft fürs Tanzen, immer mehr von der für sie so fremden Welt angezogen. Lilia freundet sich mit den Tänzerinnen an und steht plötzlich selbst auf der Bühne. Eine Entscheidung, die nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Umwelt radikal verändert.

"Roter Samt" ist die Geschichte einer Erweckung aus der Verzichtsrolle, einer Hinwendung, auch zum sinnbetonten Leben. Dies mutet zunächst befremdlich an, zumal der Film aus einem arabischen Land kommt. Doch genau hier liegt die große Stärke der zurückgenommenen, behutsamen Inszenierung, liefert der Film doch einen subtilen Gegenentwurf zu den von den Medien geschürten Bildern eines fundamentalistisch geordneten Blocks in der orientalischen Welt. Nachdrücklich zeigt "Roter Satin", dass Entwicklung, Veränderung und Kommunikation möglich sind, zeigt, wie ein Mensch aufblüht, wenn er bereit ist, seine Fesseln abzustreifen. Fast unnötig zu sagen, dass eine Frau diesen Film schrieb und inszenierte - nahezu selbstverständlich, dass die Veränderung von einer Frau initiiert wird