Iran/Frankreich 2000
Regie: Mohsen Makhmalbaf
Länge: 85 min

Reise nach Kandahar

Kinotipp der katholischen Filmkritik Januar 2002

Eine afghanische Journalistin, die seit ihrer Jugend in Kanada lebt, reist heimlich vom Iran aus in ihre Heimat zurück. Anlass für die beschwerliche Tour ist ein Brief ihrer Schwester, die darin ihren Selbstmord für den Tag der Sonnenfinsternis des Jahres 2000 ankündigt, da sie die repressiven Zustände unter dem Taliban-Regime nicht länger ertragen kann. Auf den beschwerlichen Wegen durch ausgedörrte Kriegs- und Wüstenlandschaften begegnet die Journalistin einer von bitterer Armut, Krankheit und Unterdrückung gezeichneten Gesellschaft, wobei der Film seine pessimistische Einschätzung der Situation nicht verhehlt.
In Form eines fiktiven Reisetagebuchs beschreibt der iranische Regisseur Mohsen Makhmalbaf ebenso sachlich wie erschütternd eine Wirklichkeit, die von den Medien seit dem 11. September zwar vielfach thematisiert, selten aber einer tiefer gehenden Analyse unterzogen wurde. Großteils mit Laien besetzt und unter schwierigen Bedingungen gedreht, überzeugt die episodisch strukturierte Recherche vor allem durch ihre authentische Qualität. Im Kontext der aktuellen Ereignisse erlauben sie einen vergleichsweise ungeschminkten Blick in ein von der Welt vergessenes Land, hinter den manche gesuchte Plakativität ebenso zurücktritt wie das Wissen, dass Filme solcher Art primär wohl für westliche Cineasten gedreht werden.