Internationalen Filmfestival Venedig

2007

Der Preis der Jury der Internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS bei den 64. Internationalen Filmfestspielen in Venedig (29.8 bis 8.9. 2007) ging an den Film

In the Valley of Elah
USA 2007
Regie: Paul Haggis
Paul Haggis, Regisseur des Oscar-prämierten Films „L.A. Crash“, behandelt in seinem neuen Werk, das mit Tommy Lee Jones, Susan Sarandon und Charlize Theron prominent besetzt ist, die Auswirkungen des Irak-Krieges in den USA. Der Soldat Mike Deerfield ist nach dem Einsatz im Irak in die USA zurückgekehrt und spurlos verschwunden. Sein Vater Hank Deerfield lässt ihn suchen, unterstützt von seiner Frau und einer Polizistin, um herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Die SIGNIS-Jury schreibt in ihrer Begründung: “Durch die Darstellung eines Vaters, der seinen Sohn sucht, der kurz nach seiner Rückkehr aus dem Irak veschwunden ist, bietet Paul Haggis scharfinnige Einsichten in die Bewusstseinslage einer Nation, die die Tragödie von Opfer und Verlust erfährt. Der im klassischen Erzählstil geschriebene und inszenierte Film ist ein Beitrag zur gegenwärtigen Geschichte und gegenwärtigen Fragen.“

Lobende Erwähnungen gingen an die Filme:

It’s a Free World ...
Großbritannien/ Italien/ Deutschland/Spanien
Regie: Ken Loach
Ken Loach, der Altmeister des britischen Sozialrealismus, wurde von kirchlichen Jurys in der Vergangenheit schon mehrfach ausgezeichnet. In seinem neuen Film erzählt er die Geschichte einer Frau, die ihre eigene Agentur für Arbeitssuchende aus Osteuropa eröffnet, nachdem sie ihren Job verloren hat. Die Jury befand: „Im besten Stil des britischen Sozialrealimus wirft ken Loach einen quälenden Blick auf die die internationalen Misstände im Handel mit illegalen Migranten zum Zwecke der Ausbeutung. Mit einer Frau als Opfer und Täterin gelingt es Loach die Erniedrigung und Entmenschlichung der Unterklasse aus Motiven der Habgier und des Profitdenken darszustellen.“

Die zweite Lobende Erwähnung ging an den Film:

La Graine et le Mulet (Der Samen und der Maulesel)
Frankreich 2007
Regie: Abdellatif Bechiche
Die Jury beschreibt den Film wie folgt: ”Das Leben einer maghrebinischen Familie in Südfrankreich: Slimane hat Schwierigkeiten in seinem Beruf als Schiffsbauer. So entwickelt er ein Projekt, ein Restaurant in einem alten Schiff, das er gekauft hat, zu eröffnen. Trotz aller finanziellen Schwierigkeiten hat er Erfolg dank der Solidarität seiner Familie und Freunde.“ Weiter hebt die Jury hervor: „Der soziokulturelle Kontext ist wichtig (Arbeitsbedingungen, Gemeinschaft), aber auch die Werte der Familienbande, der Liebe und Versöhnung. Die Zubereitung von Kuskus wird zum starken Symbol des Films.“

Mitglieder der Jury waren:
Peter Malone (Präsident, Australien),
Valerio Sammarco (Sekretär, Italien),
Cynthia Chambers (USA),
Michelle Debidour (Frankreich),
Massimo Giraldi (Italien),
Richard Leonard (Australien),
Edgar Rubio (Mexiko).

2006

Der Preis der Jury der Internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS bei den 63. Internationalen Filmfestspielen in Venedig (30.8 bis 9.9. 2006) ging an den Film

Nuovomondo (The Golden Door)
von Emanuele Crialese (Italien/Frankreich 2005)
Der Film erzählt die Geschichte einer sizilianischen Familie erzählt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Amerika auswandert. Die Jury schreibt in ihrer Begründung: "Nuovomondo macht die historischen Ereignisse der italienischen Emigration zu Beginn des 20 Jahrhunderts gegenwärtig und präsentiert Emigration als eine Metapher für eine gleichermaßen unbekannte wie unerwartete innere Reise vom ländlichen Süditalien zur modernen Welt Nordamerikas. Es gelingt dem Film das Bewusstsein des Publikums für das globale Phänomen von Migrationsbewegungen zu wecken, für die Menschen in der westlichen Welt eine Erinnerung an die Ursprünge ihres gegenwärtigen Wohlstands.“
Auch die Internationale Jury war von Crialeses Film beeindruckt und bedacht ihn mit einem eigenen Silbernen Löwen für die beste Entdeckung.

Lobende Erwähnungen gingen an zwei Filme:

Daratt
von Mahamat-Salen Haroun (Tschad/ Frankreich/ Belgien/ Österreich 2006)
Die Jury sah auch hier die allgemeingültige Dimension hinter der Aufarbeitung eines konkreten historischen Konflikts als besonders erwähnenswert an: “In den Nachwehen des langjährigen Bürgerkriegs im Tschad lernt eine junger Mann, der auf einem Rachfeldzug ist, zu vergeben. Der Film betont sowohl die Schwierigkeit wie auch die Notwendigkeit der Aussöhnung und benutzt das Backen – und das Brechen - des Brotes als machtvolles Symbol des Lebens und des Lebensunterhalts.“

Die zweite Lobende Erwähnung erhielt der Film

Nue propriété
von Joachim Lafosse (Belgien/ Frankreich 2006)
Der mit Isabelle Huppert prominent besetzte Film „entwirft das Porträt einer Familienkrise und konzentriert sich dabei auf die universale Dynamik von Kommunikationsunfähigkeit, Mangel an Verantwortung und die bloße Funktionalität von Beziehungen, Konsequenzen eines wachsenden Individualismus in der westlichen Gesellschaft. Dies führt schließlich zu einer Tragödie. Der Film bietet keine Lösung an sondern provoziert einen heilsamen Schock, der die Zuschauer zum Nachdenken zwingt.“

Mitglieder der Jury waren:

Peter Malone, Präsident (Australien),
Willy Verbestel (Belgien),
Graciela Garzelli (Argentinien),
Charles Carner (USA),
Dr. Thomas Kroll (Deutschland),
Massimiliano Eleonori (Italien),
Diego Giuliani (Italien).

 

2005

Der Preis der Internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS beim 62. Internationalen Filmfestfestival in Venedig ging an den Film

Mary
von Abel Ferrara (Italien/Frankreich 2005)
Der Film handelt von einer Schauspielerin, einem Regisseur und einem TV-Anchorman, von denen jeder seine eigene persönliche Krise durchlebt. Unkonventionell im filmischen Stil, zeigt er die Ängste und Gefahren in unserer heutigen Welt, die Manipulation der Wahrheit durch die Medien, den exzessiven religiösen Fundamentalismus und gleichzeitig das Verlangen nach Spiritualität in der Menschheit.

Der Film erhielt gleichzeitig den Spezialpreis der Internationalen Jury.

Mitglieder der Jury waren:
Astrid Polz-Watzenig (Österreich, Präsidentin),
Massimo Giraldi (Italien),
Haskell V. Anderson III (USA),
Théo Péporté (Luxemburg),
Angela Prudenzi (Italien),
Patrick Perguy (Belgien),
Hugo César Ara (Bolivien).



2004


Der Preis der internationalen katholischen Filmorganisation SIGNIS beim 61. Internationalen Filmfestival Vendig ging an den Film

Tout un hiver sans feu (Ein ganzer Winter ohne Feuer),
von Greg Zglinski, Schweiz/Belgien 2004
Der 1968 in Warschau geborene, inzwischen in der Schweiz lebende Regisseur studierte an der staatlichen Filmhochschule in Lodz, wo er einer der letzten Schüler von Krzysztof Kieslowski war. Das im Schweizer Jura spielende Drama um ein Ehepaar, das die kleine Tochter bei einem Brand verloren hat, und einem Geschwisterpaar aus dem Kosovo überzeugte die Jury: „Das Thema des geteilten Leids zwischen den Schweizern und den Kosovo-Flüchtlingen wird in einem sehr strengen und disziplinierten Stil dargeboten. Der Film zeigt die Möglichkeit des Neubeginns durch Rückbesinnung auf tiefere, authentischere Werte.“

Mit einer Lobenden Erwähnung bedacht die Jury den Film

Binjip
von Kim-Ki-duk, Südkorea 2004
Der koreanische Film, der als Überraschungsfilm von Festivalchef Marco Müller ins Programm gebracht worden war, avancierte bei der Kritik schnell zum Favoriten. Die Internationale Jury verlieh dem Regisseur den Preis für die beste Regie, die internationale Kritikervereinigung FIPRESCI gab ihm ihren Hauptpreis. Die SIGNIS-Jury befand: „Eine symbolische Geschichte über einen jungen Mann, der leere Häuser besetzt. Das Thema der Überwindung von Grenzen der physischen Welt damit Menschen zu spirituellen Dimensionen vordringen können wird gleichermaßen feinfühlig wie schön behandelt.“


Mitglieder der Jury waren:
Augusto Orsi (Schweiz, Präsident),
Peter Malone (Australien),
Marius Sopterean (Rumänien),
Nils Helander (Uruguay),
Patrick Keppel (Monaco),
Carlo Tagliabue (Italien),
Marina Sanna (Italien)

2003

Die Jury der internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Venedig 2003 vergab ihren Preis ex aequo an die Filme

Vozvrascenje (The Return)
von Andrej Zvagintsev (Russland)
Beeinflusst von den klassischen russischen Filmtraditionen der Introspektion und dem Mystizismus der russischen Seele verbindet "Die Rückkehr" gleichermaßen schöne wie karge Bilder mit einer eindrucksvollen, dichten und symbolischen Reise, die zwei Jungen - der eine hingebungsvoll, der andere störrisch und übellaunih - mit ihrem Vater unternehmen, der lange Zeit abwesend war. Der Film untersucht die Notwendigkeit des Vertrauens, Schwierigkeiten in der Kommunikation, Vergebung und Trauer.

Un filme falado (A Talking Picture)
von Manuel de Oliveira (Portugal)
Manuel de Oliveira untersucht universale Themen im zeitgenössischen Europa am Vorabend der schriftlichen Niederlegung einer Verfassung für die Europäische Union. Eine Mutter und ihre Tochter reisen
durch den Mittelmeerraum, besuchen wichtige Städte und zentrale kulturelle Stätten der Katholiken, der Orthodoxen Christen und der Moslems. Der Regisseur spricht die zentrale Rolle der Kultur an, besonders die
Wiedergewinnung eines Geschichtsbewusstseins als Mittel um die gemeinsamen christlichen Wurzeln in den nationalen Identitäten diverser Länder zu betonen, in der Aussicht auf einen Dialog und Chancen für eine Hoffnung
angesichts der gegenwärtigen Bedrohungen der Zivilisation.

Eine Lobende Erwähnung erhielt der deutsche Beitrag

Rosenstraße
von Margarethe von Trotta
'Rosenstraße' dramatisiert Konflikte im Dritten Reich anhand der Kämpfer einer arischen Frau, die mit einem jüdischen Mann verheiratet ist. Er behandelt auch im New York der Gegenwart die Suche nach der Familiengeschichte. Die Verdrängung der Vergangenheit und die Ressentiments einer amerikanischen Mutter verhindern Versöhnung in ihrem Leben. Die heilende kraft der Erinnerungen erscheint als eine Notwendigkeit,
damit Menschen zusammen leben können mit gegenseitigem kulturellen Respekt.

Mitglieder der Jury waren:
Peter Malone (Australien, Präsident der Jury),
Astrid Polz-Watzenig (Österreich),
Eva La Tonda (Spanien),
Julie Decabooter (Belgien),
Carlos Vieira Picassinos (Portugal),
Fabio Sandroni (Italien),
Giovanni Desio (Italien).


2002

Die Jury der internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS hat bei den 59. Internationalen Filmfespiele Venedig 2002 ihren Preis vergeben an:

Oasis
von Lee Chang-dong (Korea)
In der Geschichte zweier an den Rand der Gesellschaft gedrängten Personen, die körperlich und geistig behindert sind, entwickelt der Regisseur ihre ganze Menschlichkeit, die sich unterscheidet von der Selbstbezogenheit und der moralischen und spirituellen Leere ihrer beider Familien. Im filmischen Stil verbinden sich erfolgreich naturalistische und poetische Sequenzen. Der Regisseur gelingt es einen positiven Ausweg aufzuzeigen, Hoffnung und ein unaufdringliches Plädoyer für das Verständnis von anderen Menschen zu vermitteln.

Lobende Erwähnungen gingen an:

Far from Heaven
von Todd Haynes (USA)
Ein gut gemachtes amerikanisches Melodram, das die glanzvolle, idealisierte und geschützte Welt der 50er Jahre aufleben lässt. Die in einem Vorort-Milieu lebende Ehefrau unternimmt eine verstörende Reise, bei der sie die Kehrseite der Mittelklasse mit ihren Vorurteilen bezüglich Rasse und sexueller Identität erfährt.

The Tracker
von Rolf de Heer (Australien)
Begründung: Eine wundervoll stilisierte, unter Verwendung von gesungenen Balladen und Gemälden umgesetzte Untersuchung der Themen Recht, Gerechtigkeit und Möglichkeiten der Versöhnung zwischen Aborigines und weißen Australiern, die die symbolische Geschichte der Verfolgung eines Flüchtigen in den Outbacks im Jahr Jahr 1922 benutzt.

Mitglieder der Jury:
Peter Malone (Australien),
Präsident Ivan Corbisier (Belgien)
Massimo Giraldi (Italien)
Geraldine Pare (USA)
Oliver Rahayel (Deutschland)
Alberto Vicente Ramos Ruiz (Kuba)
Marco Vanelli (Italien)