Filmfestival Mannheim-Heidelberg
2007

Der Preis der Ökumenische Jury beim 56. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg (10.-21. Oktober 2007) ging an den Film

Uden for kærligheden (Die Muslimin und der Jude)
Dänemark
2007
von Daniel Espinoso.

Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach dem Tod seiner Frau mit seinem 5-jährigen Sohn bei seinem Eltern am Rand von Kopenhagen lebt. Sein größtes Ziel ist es, nach Amerika zu gehen. Eines Tages lernt er eine pakistanische Muslimin kennen, die einen kleinen Laden betreibt. Um sich Geld für die Amerikareise zu verdienen, hilft er im Laden. Daraus entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung, aber auch ein Konflikt, der sich zuspitzt als die „Jewish Defence League“ den Laden der jungen Frau überfällt.

Die Jury würdigte mit ihrer Auszeichnung „die anrührende Geschichte einer Beziehung, die das Unmögliche möglich macht. In einer Liebesgeschichte zwischen einem Juden und einer Muslimin thematisiert Daniel Espinosa den nie enden wollenden Konflikt zweier verfeindeter Kulturen. Mit einer feinfühligen Bildsprache und ausdrucksstarkem Schauspiel zeigt der Film beispielhaft, wie Feindschaft überwunden werden kann: durch die Bereitschaft zum gegenseitigen Verstehen und Mitfühlen, durch Vertrauen, Mut und Liebe.“ (Text der Jurybegründung)

Eine Lobende Erwähnung erhielt der Wettbewerbsbeitrag

Cover Boy ... (L'ultima revoluzione)
Italien 2007
von Carmine Amoroso.

Die Geschichte eines jungen Rumänen, der als Kind erleben musste, wie sein Vater im Kampf gegen das Ceaucescu-Regime getötet worden ist, sucht mit einem Freund in Italien sein Glück, gerät in die von rein kapitalistischen Werten geprägte Welt der Werbung und kommt zur Besinnung, als er sich eines Tages als nackter Cover Boy auf dem Plakat eines Jeans-Herstellers wiederfindet, das den Begriff „Revolution“ für die kommerzielle Kampagne ummünzt.

In ihrer Begründung schreibt die Jury: „Die Reise eines jungen rumänischen Migranten nach Italien ist eine Odyssee durch Widrigkeiten, ungesicherte Menschenrechte und neue kapitalistische Werte. Zugleich ist sie die Entdeckung wahrer Freundschaft und der Möglichkeit, seine Würde zu behalten. Die Sicht des Films auf diese Realitäten ist vielschichtig, sensibel und formal überzeugend.“

Mitgliedern der Jury waren:

David Fonjallaz (Schweiz),
Dirk von Jutrczenka (Deutschland),
Manfred Koch (Deutschland),
Lothar Strüber (Vorsitzender, Deutschland),
Gianna Urizio (Italien).


2006

Kartenspiel als Hoffnungssymbol

Der Preis der Ökumenischen Jury beim 55. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg (16.11. – 25.11.2006) ging an

Treseta (Die Kartenspieler – Geschichte einer Insel)
Kroatien 2006
von Drazen Zarkovic und Pavo Marinkovic

Für das beliebte kroatische Kartenspiel Treseta braucht man vier Spieler. Auf einer kleinen Insel vor der dalmatinischen Adriaküste ist für ein Quartett von vier in die Jahre gekommenen Spielern Treseta der zentrale Lebensinhalt, - bis einer aus der Runde tot zusammenbricht. Was macht man aber, wenn man auf der kleinen Insel, auf der die Zahl der Bewohner schon arg geschrumpft ist, keinen vierten Mann findet? Die kroatischen Filmemacher Drazen Zarkovic und Pavo Marinkovic entwickeln aus dieser Ausgangssituation in ihrem Film eine melancholische Tragikomödie. Dafür erhielten die Filmemacher den Preis der Ökumenischen Jury bei den diesjährigen Filmfestspielen Mannheim-Heidelberg. In der Begründung heißt es:
„Mit kunstvollen Bildern, einem starken Ensemble und feinem Humor erzählt der Regisseur in einer Filmparabel den engagierten Kampf einer kleinen Gemeinschaft von Inselbewohnern gegen das drohende Aussterben. Das titelgebende Kartenspiel dient dieser atmosphärisch dichten Tragikomödie dabei als Symbol der Hoffnung.”

Mitglieder der Jury waren:
Marisa Villareale (Jurypräsidentin, Deutschland),
Françoise Lods (Frankreich),
Jacqueline Veuve (Schweiz),
Lothar Strüber (Deutschland),
Florian Kröppel (Österreich).

2005


Der Preis der Ökumenische Jury beim 54. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg (17.11. – 26.11.2005) ging an den Film

Pavee Lackeen (Wohnwagenleben)
Irland 2005
von Perry Ogden
„Pavee“, ein irischer Slangausdruck für die Tochter von fahrenden Leuten, ist die Bezeichnung für die 10jährige Winnie, die mit ihrer Mutter und neun Geschwistern in einem Wohnwagen zwischen Müllhalden und Containerstellplätzen am Rande Dublins lebt. Der mit Laien besetzte und zwischen Dokumentation und Fiktion angesiedelte Film erzählt eine berührende Geschichte im Stil des italienischen Neorealismus. Die Jury fand:
„Der Film beschreibt authentisch die Lebenssituation einer kinderreichen irischen Familie, die am Stadtrand von Dublin in Wohnwagen lebt. Dabei gelingt es dem Regisseur, ohne falsche Hoffnung zu wecken, den Mut und die Lebenskraft seiner jungen Protagonistin zu zeigen.“

Mit einer Lobenden Erwähnung bedachte die Jury den Film

Ryna (Ryna, das Mädchen)
Schweiz/Rumänien 2005
von Ruxandra Zenide
Die in der Schweiz lebende Regisseurin rumänischer Abstammung schildert in ihrem Film die Geschichte eines 16-jährigen Mädchens, das mit ihrem Vater und Großvater in der Nähe eines kleinen Dorfes im Donaudelta lebt und wie ein Junge aufgezogen wurde. Die Jury meinte dazu: „Der Film über die Suche eines jungen Mädchens nach der eigenen Identität besticht durch seine einfühlsame und genaue Beobachtung der Seelenlandschaft seiner Protagonistin in ihrem Umfeld.“

Mitglieder der Jury waren:
Lothar Strüber (Jurypräsident, Freiburg),
David Fonjallaz (Bern),
Manfred Koch (Bamberg),
Bo Torp Pedersen (Kopenhagen),
Kveta Samanova (Prag).

2004


Die Ökumenische Jury beim 53. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg vergab ihren mit 1500.- € dotierten Preis an den Film


Mila ot Mars (Mila vom Mars),
Bulgarien 2004
von Zornitsa Sophia
Der Film begleitet eine junge Frau, die auf einem mühsamen Weg in der Begegnung mit Menschen an einem abgeschiedenen Ort zu ihrer Identität findet. Das vielschichtige Erstlingswerk spielt mit Motiven aus der christlichen Tradition und überzeugt durch Bildkomposition, Montage und schauspielerische Leistung.
„Mila vom Mars“ ist eine ungewöhnliche Erlösungsgeschichte, in der die Maria eine junge Punkerin ist, die geschlagen und geschwängert aus der Großstadt flieht, und ihr „Paradies“ an der bulgarisch-mazedonischen Grenze findet: in einer Gemeinschaft von Alten, die eine Marihuana-Plantage betreiben! Sie findet zu sich selbst, begnet einem Mann, der sie liebt, und bringt einen Sohn zur Welt, den die Alten „Christo“ taufen.

Die Jury vergab außerdem eine Lobende Erwähnung an den Film

Nema Problema (Keine Probleme),
Italien 2004
von Giancarlo Bocchi
Der Film schildert in stringenten Bildern die schwierige Situation journalistischer Arbeit im Krieg. Er thematisiert Mechanismen wechselseitiger Manipulation und ruft ins Bewusstsein, dass die Wahrheitssuche bedingungslose Sorge der Demokratie bleiben muss.

Mitglieder der Jurywaren:
Alain Le Goanvic (Frankreich),
Alfred Jokesch (Österreich),
Dr. Dorothea Schmitt-Hollstein (Deutschland),
Christine Stark (Schweiz, Vorsitzende),
Lothar Strüber (Deutschland)

2003

Der Preis der Ökumenischen Jury beim 52. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg ging an den Film

Khamoushiye darya (Die Stille des Meeres)
Iran 2003, Regie: Vahid Mousaian
Am Beispiel eines iranischen Emigranten zeigt der Film das Trauma entwurzelter Menschen, die zwischen alter und neuer Heimat ihre Identität suchen. Die Insel vor der iranischen Küste und die Kommunikation mit dem Mobil-Telefon bilden eine filmische Metapher für die Zerrissenheit der Hauptfigur.

Mitglieder der Jury waren:
Bernadette Meier, Schweiz
Klaus Hinkelmann, Deutschland
Lothar Strüber, Deutschland
Raymond Olsen, Dänemark
Roland Wicher, Deutschland


2002

Die Ökumenische Jury beim 51. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg vergab den Preis der Ökumenischen Jury an dem Film

Tussenland (Zwischenland)
von Eugenie Jansen (Niederlande 2002)
So manche Wege führen in die Vereinsamung. Die Ökumenische Jury dankt Eugenie Jansen für den Humor und die Sensibilität, mit denen sie Möglichkeiten menschlicher Begegnungen im "Zwischenland" offen lässt, allen inneren Widerständen zum Trotz.

Eine Lobende Erwähnung erhielt der Film

Glowing, Growing (Die Freiheit des Einzelnen)
von Kei Horie (Japan 2001)
Für die radikale Auslotung der Thematik Suizid bei Jugendlichen. Die kompromisslose Erzählweise zwingt uns zur Auseinandersetzung.

Mitglieder der Jury waren:
Jörg Gerle (Deutschland),
Eva-Maria Lenz (Deutschland),
Peter F. Stucki, Präsident (Schweiz),
Waltraud Verlaguet (Frankreich),
Peter Willnauer (Österreich).