Intenationale Filmfestspiele Berlin

2009

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an

Lille Soldat
von Annette K. Ohleson
Der Film macht uns vertraut mit den Problemen einer jungen Soldatin, ihren Weg von einem Friedenseinsatz zurück in ihr Alltagsleben zu finden. Nicht zuletzt ihr gewalttätiger Vater setzt einen schmerzhaften Klärungsprozess in Gang: Geschlechterrolle, Vater-Tochter-Beziehung und Menschenhandel. Der Film bietet keine einfachen Lösungen, aber am Ende erscheint die Perspektive eines selbstbestimmtes Lebens. Zurückhaltende Anspielungen auf ihre Kriegserfahrungen verbinden die im Auslandseinsatz erfahrene Gewalt dramaturgisch und schauspielerisch überzeugend mit der verborgenen aber realen Gewalt europäischer Gesellschaften.

Lobende Erwähnung

London River
von Rachid Bouchareb
Der algerische Regisseur zeigt die Begegnung einer christlichen Mutter mit einem muslimischen Vater. In den Tagen der Londoner Bombenattentate 2005 fürchten sie um das Leben ihrer Kinder. Der Film erkundet, wie wechselseitige Vorurteile überwunden werden können und wie gegenseitiger Respekt inmitten einer Tragödie entsteht.

Lobende Erwähnung

My One And Only
von Richard Loncraine
Dieses Road Movie durch die 50er Jahre in USA, beruhend auf einer wahren Geschichte, verbindet auf sehr intelligente Weise Humor und existentielle Fragen: wie findet man seinen Weg und was braucht man, um glücklich zu sein? Die ökumenische Jury hat die Leichtigkeit besonders geschätzt, die sich in traurigen und ausweglosen Lebensumständen als sehr belebend erweist.

Der Preis für einen Film aus dem Panorama geht an

Welcome
von Philippe Lioret
Der Film handelt von der Suche nach Liebe. Die Geschichte zwischen Simon und Marion scheint zu Ende während die zwischen Bilal und Mina es nicht schafft, zu beginnen. Bilal ist zu Fuß aus dem Irak gekommen, um zu Mina zu gelangen, die ihr Vater gegen ihren Willen in England verheiraten will. Bilal wird als illegaler Auswanderer in Calais festgenommen. Er nimmt Schwimmunterricht bei Simon in der verzweifelten Hoffnung, durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Dass Simon sich für Bilal engagiert, schafft neue Perspektiven. Der französische Regisseur schafft es, in überzeugender Weise darzustellen, dass Liebe zwischen zwei Menschen nur möglich ist, wenn sie das Engagement für andere einschließt.

Der Preis für einen Film aus dem Forum geht an

Treeless Mountain
von So Yong Kim
Im Fokus dieses koreanischen Films stehen zwei kaum schulreife Schwestern, die - von ihrer Mutter verlassen - einer alkoholkranken Tante ausgeliefert werden. Verloren in einer Welt, die ihre Verletzbarkeit übersieht, sind sie ganz auf sich selbst gestellt. Gerade weil diese Geschichte aus der Perspektive der beiden Mädchen stimmig erzählt wird, macht er die Folgen von abwesenden Eltern, von verweigerter Verantwortung und von ökonomischer Marginalisierung besonders gut sichtbar. Dies wird aufgewogen durch die subtil dargestellte liebevolle Fürsorge der Großmutter. Geerdet in natürlichen Zusammenhängen schenkt sie den Mädchen eine höchst kostbare Gabe: ihre Zeit.

Mitglieder der Jury waren:
Charles Martig, Schweiz (Jurypräsident),
Jes Nysten,
Jolyon P. Mitchell,
Joachim Valentin, Deutschland
Waltraud Verlaguet und
Guido Convents.

 

2008

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an:

Il y a longtemps que je t'aime...
(I've Loved You So Long...)
Frankreich, Deutschland, 2007
von Philippe Claudel

Juliette wird nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Nach und nach beginnt mit Hilfe ihrer Schwester und Menschen, die ihr aufgeschlossen begegnen, ein Weg, der zur Versöhnung und zur Vergebung führt mit sich und ihrer Geschichte und sie schließlich zurück ins Leben bringt. Ergreifend interpretiert  von Kristin Scott Thomas zeigt uns der Film, dass wir mehr sind als das, was wir tun und was uns geschieht.

Eine lobende Erwähnung geht an den Film:

Zuo You
(In Love We Trust)
Volksrepublik China, 2007
von Wang Xiaoshuai

In Love We Trust ist eine kunstvoll gewobene Geschichte, die wichtige Fragen nach der Substanz menschlicher Beziehungen stellt und wie weit man gehen darf um das Leben eines Kindes zu retten. Er ist ein Film über Vertrauen, Treue und Vergebung, über das, was Liebe letztlich ausmacht.

In der Programmsektion „Panorama“ geht der Preis an den Film

Boy A
Großbritannien 2007
von John Crowley
Das filmische Spiel von Licht und Raum zeigt die Gefühlswelt eines jungen Mannes zwischen Schuldaufarbeitung, Buße und Lebenswillen. Nach langen Jahren aus dem Gefängnis erhält er eine zweite Chance. Seine Sehnsucht nach einem neuen Leben in Wahrheit wird nach hoffnungsvollem Beginn zerstört durch gesellschaftliche Ignoranz und die Sensationsgier der Medien.

In der Programmsektion "Forum" ging der Preis an den Dokumentarfilm

Corridor #8
Bulgarien, 2008
von: Boris Despodov

Corridor #8 ist ein ehrlicher und offener Blick auf eine Region Europas, zu der es nur wenige Verbindungslinien gibt. Das Straßenprojekt Corridor #8, das die Länder Mazedonien, Bulgarien und Albanien verbinden soll, ist ein Zeichen der Hoffnung, des Aufbruchs und der Mitmenschlichkeit. Der Film folgt der Straße und zugleich den Fußspuren der Schüler des Apostels Paulus in dieser Region und fragt, warum diese Länder bisher so wenige Verbindungen untereinander hatten. Der Film erinnert daran, dass die Überwindung der Grenzen und Zäune, die Menschen errichtet haben, und die Förderung der humanitären Entwicklung eine wichtige Aufgabe der christlichen Verantwortung ist.


Mitglieder der Ökumenischen Jury waren:
Julia Helmke, Deutschland, (Präsidentin),
Wolfgang Hußmann, Deutschland,
Douglas P. Fahleson, USA,
Alina Birzache, Rumänien,
Magali Van Reeth, Frankreich
Milan Simacek, Tschechische Republik

2007

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an:

TU YA DE HUN SHI (TUYAS EHE)
Volksrepublik China 2006
von Wang Quan’an
Tuya, eine Frau in der mongolischen Steppe, kämpft mit einem behinderten Mann und zwei Kindern um ihre Existenz. Eine hilfreiche Lösung wäre es, einen neuen Mann zu heiraten. Schmerzhaft ist ihr Weg, aber getragen von einem Grundvertrauen. Dem Film gelingt es in bewegenden Bildern nahe an der traditionellen Kultur zu bleiben. Mit einem liebenden Blick und Sinn für die Ambivalenz menschlicher Entscheidungen inszeniert er das Beziehungsdrama glaubwürdig.
Der Film erhielt auch den Goldenen Bären der Internationalen Jury.

Aus der Programmsektion „Panorama“ ging der Preis an den Film

LUO YE GUI GEN (GETTING HOME)
Hongkong / Volksrepublik China 2007
von Zhang Yang.
Zhao bringt den Leichnam seines plötzlich verstorbenen Kumpels in dessen weit entfernte Heimatstadt zurück. Ein schwieriges Unterfangen, bei dem er immer wieder auf Hilfe angewiesen ist. Ein ungewöhnliches Roadmovie, das mit viel Humor und Fantasie liebevoll davon erzählt, wie eine unmöglich scheinende Aufgabe durch viele Begegnungen bewältigt werden kann. Auch unter extrem harten sozialen Bedingungen wird so menschliche Nähe sichtbar.

Im Internationalen Forums des Jungen Films ging der Preis an

CHRIGU
Schweiz
von Jan Gassmann und Christian Ziörjen,

Chrigu, ein junger Mann, der unheilbar an Krebs erkrankt ist, dokumentiert den Prozess seines Sterbens als Teil des Lebens, und sein Leben als Teil des Sterbens. Vor seiner Krankheit arbeitete Chrigu als Produzent und Regisseur für eine befreundete Hiphop-Band. Deren pulsierende Musik unterstreicht den Rhythmus von Freude und Schmerz, Lachen und Traurigkeit, Leben und Tod. Indem er die Unausweichlichkeit des Todes akzeptiert, betont Chrigu den Wert des Lebens.

Mitglieder der Ökumenischen Jury waren:
Charles Martig, Schweiz (Präsident),
Angelika Obert, Deutschland,
Prof. em. Marjorie Suchocki, USA,
Anita Uzulniece, Lettland,
Théo Péporté, Luxemburg
Katharina Zeckau, Deutschland

2006

 

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an:

Grbavica
(Österreich, Bosnien und Herzegowina, Deutschland 2005)
von Jasmila Zbanic
für seine einfühlende und vorurteilsfreie Erzählweise, für seine Darstellung von menschlicher Verletzbarkeit und der Kraft der Liebe, Hass und Gewalt zu überwinden, für seine sensible Darstellung der universalen Problematik der Versöhnung.
Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die in Sarajevo in der Zeit nach dem Krieg nicht nur mit den täglichen Überlebensproblemen, sondern vor allem mit den Traumata des Krieges zurechtkommen muss. Sie hat eine Tochter, die zunächst nicht weiß, dass ihr Vater ein serbischer Soldat ist, der ihre Mutter vergewaltigt hat.
(Der Film erhielt auch den Golden Bären und den Friedensfilmpreis.)

Der Preis für einen Film aus der Programmsektion "Panorama" ging an:

Komornik (Der Gerichtsvollzieher)
(Polen 2005)
von Feliks Falk
für ein genaues Portrait des aktuellen politischen Wandels in Polen, das zugleich eine ethisch eindringliche Geschichte über die universale Problematik der Korruption erzählt, für die hohe künstlerische Qualität der Darstellung von Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Der Film erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Falls des Gerichtsvollziehers Lucek Bohme, der im Namen des Gesetzes und ohne Rücksicht auf die jeweiligen Umstände das Eigentum von Schuldnern beschlagnahmt.


Internationales Forum des Jungen Films:

Conversations On A Sunday Afternoon
(Südafrika 2005)
von Khalo Matabane
für eine formal gelungene und inhaltlich eindrucksvolle Dokumentation der Situation von Kriegsflüchtlingen aus aller Welt, die in Johannisburg leben.
Der Regisseur zeigt einen Schriftsteller auf der Suche nach einer aus Somalia geflohenen Frau. Dabei begegnet er Kriegsfluechtlingen aus aller Welt, deren Geschichten von der Gewalt des Krieges, aber auch von der Hoffnung auf Versöhnung zeugen.

Mitglieder der ökumenischen Jury waren:
Jörg Herrmann (Deutschland),
Milja Radovic (Republik Jugoslawien),
Marius Sopterean (Rumänien),
Christine Stark (Präsidentin der Jury, Schweiz),
David Tlapec (USA),
Reinhold Zwick (Deutschland).

2005

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an:

Sophie Scholl - Die letzen Tage
von Marc Rothemund
Basierend auf einem Drehbuch, das in ausgezeichneter Weise neue historische Quellen einarbeitet, zeigt Marc Rothemunds Film mit minimalistischer Ästhetik und konsequenter Erzählstrategie die letzten sechs Tage im Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Das Psycho-Duell der glänzenden Schauspieler vermittelt das humane aufgeklärte Denken der jungen Studentin, das im christlichen Glauben wurzelt. Der Film verweist auf einen dialogfähigen, christlichen Standpunkt, der in konsequenter Zivilcourage und im Widerstand gegen totalitäre Denk- und Machtstrukturen seinen Ausdruck findet.


Der Preis für einen Film aus dem Panorama geht an

Va, vis et Devens
(Geh und Lebe)
von Radu Mihaileanu
Ein äthiopischer Junge mit christlichen Wurzeln verläßt das hungergeplagte Flüchtlingslager im Sudan und erreicht Israel als Land "voll Milch und Honig". Hier wächst er versteckt als Jude auf und findet sich zunehmend mit seiner gespaltenen Identität zurecht.
Radu Mihaileanus Film zeigt Verständnis für die aktuelle Vielfalt von Migrationswegen und ermutigt zum Weiterleben mit wechselnden ethnischen und religiösen Bindungen: Eine lohnenswerte Reise zu spirituellem Wachstum, zum Leben und Werden.


Der Preis für einen Film aus dem Forum geht an

Ratziti Lihiyot Gibor (On the Objection Front)
von Shiri Tsur
Der Film erzählt die persönlichen Entwicklungen von sechs israelischen Soldaten, die nach ihrer langjährigen Militärzeit ihren jährlichen Reservedienst in den besetzten Gebieten verweigern. Ihre Zeugnisse vermitteln, wie die Gründungsvision der jüdischen Tradition persönliches Umdenken und soziale Veränderungen in Gang setzen kann.

Die Mitglieder der Ökumenischen Jury waren:

Thomas Kroll ( Jurypräsident, Deutschland),
Clotilde Lee ( Korea ),
Charles Martig ( Schweiz ),
Johanna Haberer ( Deutschland ),
Dina Iordanova ( Schottland, GB),
Gordon Matties (Kanada).

 

2004

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)

Der Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an

Ae Fond Kiss
(Großbritannien, Italien, Deutschland, Spanien 2003)
von Ken Loach
Am Beispiel der Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann pakistanischer Herkunft und einer irischen Lehrerin thematisiert der Film die kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Fronten, die es für ein gemeinsames Zusammenleben zu überwinden gilt. Ein überzeugendes Plädoyer für Toleranz und interkulturelle Verständigung.

Eine lobende Erwähnung an

Svjedoci (Die Zeugen)
Kroatien 2003
von Vinko Brešan
Auf ausgezeichnete Weise setzt der Film künstlerische Mittel ein, um die moralischen Probleme in einer Kriegssituation darzustellen. Er zeigt, dass sogar in dieser Situation humanes Handeln möglich ist. Der einzige Weg zu einer friedlichen Zukunft gelingt nur dort, wo das Risiko übernommen wird, Leben zu schützen und sogar der Respekt gegenüber den Feinden als menschlichen Wesen gewahrt bleibt.

Der Preis für einen Film aus der Programmsektion "Panorama" ging an

Mi piace lavorare (Mobbing) (Ich liebe meine Arbeit (Mobbing))
Italien 2003
von Francesca Comencini
Der Film beschreibt eindrücklich das Leiden einer alleinerziehenden Frau, die an ihrem Arbeitsplatz ungerecht behandelt wird und dem Mobbing von Mitarbeitern ausgesetzt ist. Die Regisseurin betont auf herausfordernde und angemessene Weise das Recht auf Gerechtigkeit und menschliche Würde.


Der Preis für einen Film aus dem Programm des "Internationalen Forums des
Jungen Films" ging an:

Folle embellie
Frankreich/Belgien/Kanada 2003
von Dominique Cabrera
Folle embellie ist zugleich eine einfühlsame Geschichte und eine umfassende Metapher. Der Film setzt den Wahnsinn des Krieges gegen die Krankheit von geistig Behinderten und fragt nach den Möglichkeiten der Heilung durch gemeinsames Handeln und gelingende menschliche Beziehungen.


Die Mitglieder der Ökumenischen Jury waren:
Werner Schneider-Quindeau (Jurypräsident, Deutschland),
Lothar Strüber (Deutschland),
Frank Forst (USA),
Oldrich Selucky (Tschechische Republik),
Julienne N. Munyaneza (Ruanda) und
Marjorie Suchocky (USA)

2003

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)
Bei den Jurys herrschte in diesem Jahr ein großes Einvernehmen. Auf einer Berlinale, die unter dem Motto "Towards Tolerance" stand und die durch politische Akzente wie Stellungnahmen hochkarätiger Stars wie Dustin Hoffman gegen den Irak-Krieg auffiel, ging der "Goldene Bär" an das Flüchtlingsdrama "In This World" von Michael Winterbottom. Dieser Film war auch der Preisträger der Ökumenischen Jury und der Friedensfilmpreis-Jury.

Der Preis für einen Film aus dem Wettbewerb geht an

In This World
von Michael Winterbottom (Großbritannien 2002)
Mit Blick auf die Reise von zwei afghanischen Flüchtlingen bezeugt der halbdokumentarische Film eine anhaltende, weltweite menschliche Tragödie. Er zeigt die widrigen Umstände, unter denen Flüchtlinge ihre Existenz zu sichern bemüht sind und die Gefahren der illegalen Immigration auf sich nehmen. Indem der Film die Geschichte eines Mannes und eines Jungen aus deren Perspektive zeigt, ermöglicht er dem Kinopublikum nachzuvollziehen, was es bedeutet, Schleppern ausgeliefert und rechtlos zu sein.

Der mit 2.000 EUR dotierte Preis für einen Film aus dem Panorama geht an

Knafayim Shvurot (Broken Wings)
von Nir Bergman (Israel 2002)
Der Film gibt einen Einblick in das Leben einer israelischen Familie, deren Mitglieder sich nach dem Tod des Vaters mit Trauer, Verständigungsproblemen, Identitätssuche und dem unerfüllten Wunsch nach Nähe auseinandersetzen müssen. Der Regisseur arbeitet zum einen die spannungsreiche Dynamik ob der unterschiedlichen Altersstufen heraus. Zum anderen zeigt er - eher indirekt - die dramatischen psychischen Folgen der politischen Konflikte im nahen Osten für den familiären Alltag.

Der mit 2.500 EUR dotierte Preis für einen Film aus dem Forum geht an

Edi
von Piotr Trzaskalski (Polen 2002)
Der Film zeigt die Geschichte zweier befreundeter Schrottsammler. Einer der beiden, Edi, wird als lebensweise, gradlinig und leidensbereit gezeichnet. Im Laufe des Films, der Aspekte der sozialen Problemlagen Polens metaphorisch verdichtet, wird Edi zum Ziel der Interessen und Attacken anderer. Infolgedessen entwickelt er eigensinnige Lebensformen, die seine eigene Würde und die anderer bewahren.

Mitglieder der Jury 2003
Charles Martig (Schweiz); Jurypräsident;
Radovan Holub (Tschechische Republik),
Doron Kiesel (Deutschland),
Thomas Kroll (Deutschland),
Denyse Muller (Frankreich),
Rose Pacatte (USA).

2002

Preise der Ökumenischen Jury (INTERFILM/SIGNIS)
"Bloody Sunday" von Paul Greengrass wurde von der Ökumenischen Jury bei den 52. Internationalen Filmfestspielen Berlin als bester Film im Wettbewerb ausgezeichnet. Der englische Film, der auch von der Internationalen Jury des Festivals den "Goldenen Bären" erhielt, setzt sich in eindringlicher Weise mit dem Nordirland-Konflikt auseinander. Der 46jährige englische Regisseur erhält damit bereits zum zweiten Mal eine kirchliche Auszeichnung in Berlin. Schon für seinen Spielfilmerstling "Resurrected"("Auferstanden") hatte er 1989 die Preise der damals noch getrennt arbeitenden Jurys der katholischen Filmorganisation OCIC und der evanglischen Filmorganisation INTERFILM erhalten. Weitere Preise wurden an Filme aus dem "Internationalen Forum des Jungen Films" sowie aus der "Panorama" Sektion vergeben. Ausgezeichnet werden sollen Filmregisseure für künstlerisch herausragende Filme, denen es gelingt, ein menschliches Verhalten darzustellen oder ein Zeugnis, das mit dem Evangelium in Einklang steht, zum Ausdruck zu bringen oder die Zuschauer für spirituelle, menschliche oder soziale Werte zu sensibilisieren.

Der Preis für den Wettbewerbsfilm geht an

Bloddy Sunday
von Paul Greengrass
Der Film zeigt verschiedene Aspekte des "Bloody Sunday", als 1972 im nordirischen Derry durch einen Militäreinsatz 13 Menschen getötet und 14 Menschen verletzt wurden, die an einer Friedensdemonstration teilgenommen hatten. Auf sehr überzeugende Weise zeigt der Film die verheerende Auswirkung einer Politik, die Eskalation von Gewalt in Kauf nimmt, um soziale und religiöse Probleme zu lösen.

Der mit € 2.500 dotiert Preis für einen Film aus dem 17. Panorama geht an

Lànge de Goudron (Der Engel aus Teer)
von Denis Chouinard
Der Vater einer algerischen Immigrantenfamilie in Kanada steht kurz vor seiner Einbürgerung, als sein Sohn verschwindet. Mit dessen kanadischer Freundin macht er sich auf die Suche und beginnt einerseits, den sozialpolitischen Protest seines Sohnes zu verstehen und andererseits, die Grenzen der eigenen Kultur zu erkennen. Ein ebenso berührender wie politisch brisanter Film.

Der mit € 2.500 dotierte Preis an einen Film aus dem 32. Internationalen Forum des Jungen Films geht an

É Minha Cara/ Thats' my Face (Das ist mein Gesicht)
von Thomas Allen Harris
Auf eine außergewöhnliche Weise nimmt uns der afro-amerikanische Regisseur musikalisch und humorvoll auf eine Reise zu den Wurzeln seiner Familie mit. Durch seine Augen entdecken wir den Kontinent seiner Vorfahren, die Bürgerrechtsbewegungen und die reiche Spiritualität der afro-amerikanischen Diaspora.

Mitglieder der Jury 2002
Thomas Binotto, Schweiz
Guido Convents, Belgien
Marie-Thérèse Kreidy, Libanon
Jes Nysten, Dänemark
Waldemar Plocharski, Polen
Arnis Redovics, Lettland
Werner Schneider-Quindeau, Deutschland (Vorsitzender/Chairman)
Lothar Strüber, Deutschland
Gianna Urizio, Italien
Albert van den Heuvel, Niederlande